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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 31.03.2011

Antrag CDU Drucksache 15/1190

Beitritt des Landes NRW zur Charta der Vielfalt

- es gilt das gesprochene Wort -

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Liberalen begrüßen die Charta der Vielfalt. Sie bedeutet eine Selbstverpflichtung für den jeweiligen Unterzeichner, ob Unternehmer, Landesregierung oder Vereine. Es geht hier – wie Liberale es immer fordern –, um ein Mittel zur Verdeutlichung des Respekts und der Wertschätzung jedes einzelnen Menschen. Mit Erlaubnis der Präsidentin zitiere ich aus dem Info-Flyer zur Charta der Vielfalt, herausgegeben von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration:

„Durch die Unterzeichnung der Charta verpflichten sich die Unternehmen oder Institutionen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen gleichermaßen respektiert werden, unabhängig von Geschlecht, Rasse, Nationalität, ethnische Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität“.

Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit.
Mehrere Hundert Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben die Charta inzwischen unterschrieben und sich damit zu deren Grundsätzen bekannt. 40% der Unterzeichner sind Großunternehmen, 50% sind kleine und mittlere Betriebe mit bis zu 500 Beschäftigten. Übrigens, wo doch so häufig über die angeblichen Unzulänglichkeiten bei den DAX-Unternehmen gesprochen wird: Jedes zweite DAX-Unternehmen verfügt heute über eine oder mehrere hauptamtliche Diversity-Beauftragte.

Auch in der öffentlichen Verwaltung haben viele Behörden den Beitritt zu der Charta bereits vollzogen. Für Nordrhein-Westfalen seien da etwa die Bezirksregierungen Detmold, die Bundesstadt Bonn, die Städte Aachen, Bielefeld, Bochum, Köln und viele, viele weitere genannt. Diese breite Akzeptanz und die Vielzahl der Unterzeichner machen deutlich, dass das Potenzial, das die Vielfalt und Unterschiedlichkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in sich birgt, an breiter Front erkannt ist und aktiv genutzt werden möchte.

Gut 2 Millionen Beschäftigte werden mit der Charta erreicht. Durch ihre facettenreichen Fähigkeiten und Talente ermöglichen sie es den Unternehmen, innovative Lösungsstrategien und ein kreatives Arbeitsumfeld zu schaffen. Meine Damen und Herren, die Liberalen hätten einem Antrag auf den Beitritt zur Charta der Vielfalt in jedem Fall zugestimmt. Leider hat es sich die Koalition nicht nehmen lassen, wieder einmal draufzusatteln. Da wird dann nicht nur der Charta beigetreten, wie es die Überschrift suggerieren soll, sondern es werden gleich noch Genderstabstellen eingefordert und sehr undifferenzierte Aussagen über Novellierungsansinnen beim Landesgleichstellungsgesetz gemacht. Sie werden sich nicht wundern, dass wir da doch eher etwas skeptisch reagieren, zumal die Einführung einer Genderstabstelle schon wieder verdächtig nach dem Aufbau von neuen Behördenstrukturen aussieht, wie wir das ja schon von Ihnen gewohnt sind. Man kann aber mit Behörden, Ämtern, Kontrollorganen und Gesetzen keine Meinungsbilder und Stimmungen ändern.

Dieser Aufbau von Behördenstrukturen hat auch nicht im Geringsten etwas mit dem Anliegen der Charta der Vielfalt zu tun, die auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen aufbaut. Hier geht es um die Bindung von Beschäftigten, weil Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich verstanden fühlen, um Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch Wertschätzung und Anerkennung, um Imagebildung und entsprechende öffentliche Wahrnehmung als tolerante Unternehmen und damit um verstärkte Werbung hinsichtlich qualifizierten Personals und Kundenansprache.

Das hat in der Tat nichts mehr mit dem zu tun, was Sie uns hier vorgelegt haben. Es ist sehr schade, dass Sie dieses „Draufsatteln“ nicht gelassen haben. Ich denke, wir hätten hier eine sehr breite Zustimmung zu einem Beitritt der Charta der Vielfalt erlangt, denn dem Anliegen der Charta verschließt sich in diesem Hause sicherlich keine Fraktion.

Ich würde mich freuen, wenn wir im Ausschuss noch einmal in aller Ruhe – aber nicht minder spannend – über diesen Antrag diskutieren könnten und dann auch zusehen, ob wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen. Dies entspräche zumindest dem Sinn der Charta. Die Wertschätzung von Vielfalt ist ein Gewinn für alle. Und sicherlich wäre ein Beitritt zur Charta der Vielfalt auch ein Gewinn für Nordrhein-Westfalen. –
Danke.


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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