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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 20.01.2011

Antrag FDP 15/1067

Rückkehr zu G9 wird von den Gymnasien nahezu vollständig abgelehnt – Schwächung des gymnasialen Bildungsgangs verhindern

- es gilt das gesprochene Wort -

„In der Versuchsküche der Schulministerin brodelt es und das aufgetischte Gericht ist versalzen. 98 Prozent der Gymnasien lehnen den Modellversuch zur Schulzeitverlängerung ab. Noch deutlicher kann ein Misstrauensvotum kaum ausfallen. Weit über 600 Gymnasien haben erkannt, dass dieser Weg in die Sackgasse führt.
Nur 13 Gymnasien wollen vom verkürzten Abitur (G8) zu G9 zurück. SPD und Grüne sind offensichtlich Opfer ihrer eigenen jahrelangen Propaganda geworden.

Der Modellversuch liegt einfach daneben:
1. Er führt zur Zersplitterung des gymnasialen Bildungsgangs. Es entstehen Gymnasien mit zwei Geschwindigkeiten und damit auch Gymnasien erster und zweiter Klasse. Und es ist unredlich zu behaupten, dass diese Feststellung eine Herabwürdigung der Leistungen der Schüler an Berufskollegs oder Gesamtschulen darstellt. Hier wird durch Rot-Grün ein Keil in den identischen gymnasialen Bildungsgang getrieben.

2. Die Zersplitterung des gymnasialen Bildungsgangs führt selbstverständlich auch dazu, dass diese Gymnasien leichter in Gemeinschaftsschulen umgewandelt werden können. Das bedeutet mittelfristig einen massiven Qualitätsverlust.

3. Grüne und SPD werden sagen, die Schulen haben sich freiwillig entschieden.
Wir haben aber eine Verantwortung für die Schulen. Die Beteiligung an diesem Modellversuch benachteiligt die betroffenen Schüler, Lehrer und Gymnasien. Schüler werden massive Probleme bei einem Wohnortwechsel haben, weil es nicht flächendeckend G9-Angebote an Gymnasien geben wird. Das Ministerium erklärt lapidar, dass die Schüler dann doch an eine Gesamtschule wechseln können. An den Schulen werden enorme Ressourcen für die Organisation gebunden werden. Kein Verlag wird für so wenige Schulen neue Schulbücher bereitstellen. Passende Lehrplänestehen nicht zur Verfügung. Das Ministerium will lediglich „ergänzende curriculare Vorgaben und Hinweise“ erarbeiten. Es wird sich zeigen, ob die Gymnasien in Lohmar, Neunkirchen-Seelscheid und Dorsten überhaupt die nötigen Schüler für die vorgeschriebene Zügigkeit der paralle-len Angebote erhalten. Und wie sehen die Vorstellungen von Rot-Grün aus, wenn der doppelte Abiturjahrgang absolviert ist?

Der Schulversuch dient zur Gesichtswahrung und schadet nur. Wir wissen seit Jahrzehnten, wie Schüler im G9 lernen. Was will man dort noch „erproben“? Und was soll eigentlich 2023/2024 passieren, wenn der Versuch ausläuft? Sollen die Gymnasien in 15 Jahre dann wieder allgemein oder teilweise zu G9 zurückkehren?
Die FDP appelliert an die Landesregierung: Verzichten Sie auf diesen sinnlosen Modellversuch, der Schülern und Lehrern nicht hilft, aber den gymnasialen Bildungsgang beschädigt. Konzentrieren wir uns gemeinsam darauf, die Gymnasien im G8-Bildungsgang zu stärken: Durch mehr Ganztagsangebote. Mit mehr individueller Förderung durch fachliche Aufgabenbetreuung in der Schule. Durch die weitere Verschlankung der Lehrpläne. Und durch eine bessere Lehrerstellenausstattung. Das ist der Weg, um die Schulzeitverkürzung weiter zu optimieren.“


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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