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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 10.11.2010

Antrag FDP 15/481

Gerechtere und flexiblere Lehrerarbeitszeit für die weiterführenden Schulen in NRW umsetzen

Ingrid Pieper-von Heiden

- es gilt das gesprochene Wort -

„In Nordrhein-Westfalen muss endlich für Lehrer eine umfassende, transparente, gerechte und flexible Regelung der Arbeitszeit eingeführt werden. Dazu ist aus Sicht der FDP eine Jahresarbeitszeitregelung notwendig. Mit dem „Mindener Modell“ liegt ein Konzept auf dem Tisch, das vor Ort unterstützt wird. Das Modell hat an den unterschiedlichen weiterführenden Schulen den Praxistest bestanden. Bereits 1999 wurden die erheblichen Unterschiede im Arbeitsaufkommen der Lehrer bescheinigt. Das ist inzwischen elf Jahre her. Das bisherige System der Entlastungen, das wissen alle Bildungspolitiker aus zahlreichen Gesprächen und unzähligen Briefen, ist nicht nachhaltig. Es sorgt für große Unzufriedenheit in der Lehrerschaft.

Im Jahr 2007 haben FDP und CDU Schulen ermöglicht, auf der Basis dieses Modellversuchs zu arbeiten. Unterschiedliche Schulformen erproben es seitdem erfolgreich oder haben den Prozess intensiv begleitet. Die Erfassung aller Tätigkeiten und die Zuteilung von Zeitfaktoren mit unterschiedlicher Gewichtung führen zu einer fairen Darstellung der geleisteten Arbeit. Gerade Lehrer mit hohem Korrekturaufwand und großem schulischen Engagement können dadurch entlastet werden. Das Modell trägt zudem zur Unterrichtssicherung in den Mangelfächern bei. Eine gerechtere und flexiblere Lehrerarbeitszeit soll zudem mehr junge Menschen dazu motivieren, Mangelfächer zu studieren. Und die Erfahrung mit dem „Mindener Modell“ zeigt, dass die Pädagogen sich durch die Jahresarbeitszeit nicht ungerecht behandelt fühlen. Das wird an der kontinuierlich steigenden Zustimmung an den Schulen vor Ort deutlich. Das zeigt auch die Unterstützung der Lehrerräte. Nun kann man fragen, wieso sich gegenwärtig nicht mehr Schulen am „Mindener Modell“ orientieren. Das Thema Lehrerarbeitszeit ist bei den Betroffenen mit großen Ängsten und Befürchtungen besetzt. Vielleicht hat das einige Schulen abgeschreckt, den Versuch zu wagen. Für den Modellversuch bestanden aber auch hohe bürokratische Hürden – das muss man in der Rückschau auch kritisch feststellen. Hier muss das Schulministerium den nächsten Schritt gehen.

Denn ein Jahresarbeitszeitmodell nützt allen Lehrern. Das Modell funktioniert an den Schulen. Natürlich müssen die Schulen ihren Teil dazu beitragen. Selbstverständlich gehört es dann auch dazu, dass die Schulen Schwerpunkte im nebenunterrichtlichen Bereich setzen. Dieser Verantwortung müssen sich alle Schulleitungen stellen. Man kann nicht alle möglichen Projekte in einem Jahr machen, sondern muss auch mal etwas ins nächste Jahr verschieben. Das bedeutet aber auch mehr Tiefe für die einzelnen Projekten – statt unzählige Projekte ein bisschen zu verfolgen. Zudem gilt: Die Erteilung des Unterrichts muss immer im Zentrum stehen. Und das Ministerium darf nicht jede Woche ein Projekt verkünden, das die Schulen umsetzen sollen. Ich unterstreiche hier ausdrücklich: Behauptungen, es würden unzählige zusätzliche Lehrerstellen gebraucht, sind reine Schutzbehauptungen, um ein Lehrerarbeitszeitmodell zu verhindern.

CDU und FDP haben in der Vergangenheit ihre Unterstützung für dieses Modell deutlich gemacht. Die Grünen haben in ihrem Wahlkampfprogramm ein Lehrerjahresarbeitszeitmodell gefordert. In der Westfalenpost hat Schulministerin Löhrmann am 13.08.2010 auf das „Mindener Modell“ hingewiesen und erklärt, dass dort neue Wege beschritten würden. Gleich können uns die Grünen erklären, wie viel die Wahlkampfversprechen wert sind.
Es ist Zeit, dass wir die erfolgreichen Erfahrungen des „Mindener Modells“ nutzen und hieran orientiert endlich ein umfassendes Jahresarbeitszeitmodell einführen. Die spezifischen Bedarfe der Grund- und Förderschulen müssen hierbei berücksichtigt werden. Dem Ministerium steht es offen, mögliche Bedenken und Wünsche einzubringen. Wir bieten Ihnen hier die Zusammenarbeit an, aber wir beteiligen uns nicht an einer Vogel-Strauß-Politik. Ich appelliere an die Landesregierung: Setzen Sie nicht einfach eine Kommission ein, die das Problem auf die lange Bank schieben soll. Es rumort in der Lehrerschaft. Es muss gehandelt werden, sonst drohen massenhaft Klagen von Lehrern.“


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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