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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 30.10.2010

Antrag der CDU 15/239

"Schüler, Lehrer und Eltern erwarten Kontinuität und Verlässlichkeit – Für einen klaren Kurs bei G8/G9"

- es gilt das gesprochene Wort -

"Die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen haben gerade die schwierigste Phase der Umstellung auf G8 überwunden. Jetzt trägt Rot-Grün erneut Unruhe in die Schulen und verunsichert damit Schüler, Eltern und Lehrer. Zur Erinnerung: SPD und Grüne haben 2005 selber den verkürzten gymnasialen Bildungsgang beschlossen. Kaum war G8 eingeführt, nörgelten sie fünf Jahre kontinuierlich daran herum, ohne konstruktive Verbesserungsvorschläge einzubringen. Im Wahlkampf kündigten SPD und Grüne dann eine Wahlmöglichkeit für alle Gymnasien an. Nach der Wahl hieß es dann plötzlich, G8 und G9 könnten auch parallel an einer Schule angeboten werden. Und am 21. September verschickte das Schulministerium schließlich per Schulmail eine neue Version: Da G8 im Schulgesetz stünde, könne man nur für maximal 10 Prozent der Gymnasien einen Schulversuch mit einem Wechsel zu G9 durchführen.

Die Wahrheit ist doch: Rot-Grün will – wie bei den „Gemeinschaftsschulen“ – eine Entscheidung von erheblicher Tragweite und mit großem Chaospotential wiederum als „Schulversuch“ am Parlament vorbei schummeln. Dabei schlägt der Minderheitsregierung Kritik aus den Gymnasien und von den Verbänden überwiegend Ablehnung entgegen. Bislang ist kaum ein Gymnasium bereit, dieses Durcheinander umzusetzen. In den Zeitungen kritisieren tagtäglich Schulleiter aus ganz NRW die realitätsfernen Pläne. Es ist richtig, dass die Schulen sich dagegen wehren. Dieses Tohuwabohu hat mit einer konsistenten Schulpolitik gar nichts zu tun. Rot-Grün chaotisiert die Gymnasien. Die FDP hat frühzeitig vorausgesagt: Es wird massive Unruhe in die Gymnasien getragen. FDP und CDU haben die Schulzeitverkürzung umgesetzt, damit die Jugendlichen die Chance haben, ein Jahr früher zu studieren, eine Ausbildung zu beginnen, Auslandserfahrung zu sammeln oder auch ein soziales Jahr zu machen. Niemand bestreitet, dass die Umsetzung – wie in allen Bundesländern – zunächst problematisch verlaufen ist. Dass SPD und Grüne damals die Umstellung beschlossen, aber keine Vorbereitungen hinterlassen haben, hat das Ganze nicht vereinfacht. FDP und CDU haben gehandelt: Die Lehrpläne wurden verschlankt, der Pflichtstoff in den Lehrbüchern markiert. Wir haben das ehrgeizigste bisherige Ganztagsausbauprogramm umgesetzt. Die FDP hat aber immer deutlich gemacht, dass wir weitere Veränderungen brauchen:

 Der Ganztagsausbau an Gymnasien muss weitergehen.
 Die Lehrpläne müssen noch weiter entschlackt werden.
 Wir müssen die Ergänzungsstunden vor allen Dingen für die individuelle Förderung und fachliche Aufgabenbetreuung nutzen – so, wie die FDP das in ihrem eigenen Konzept vorgeschlagen hat.
Die Gymnasien in unserem Land brauchen aber keine Kehrtwende. Die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre an den Gymnasien darf nicht umsonst gewesen sein. Bei näherer Betrachtung, entzaubern die Pläne der Minderheitsregierung die eigenen Versprechen und werfen zahlreiche Fragen auf:
 Maximal zehn Prozent der Gymnasien haben laut Planung des Schulministeriums die Wahlmöglichkeit. Damit bricht Rot-Grün ein Wahlversprechen.
 Bei der vermeintlichen Rückkehr zu G9 wird die Wochenstundenzahl von 179 auf 188 erhöht und liegt damit deutlich höher als im alten G9.
 Die Entscheidung für G8 oder G9 soll rechtzeitig zum Anmeldetermin für das Schuljahr 2011/2012 erfolgen, bei vier Zügen sollen es jeweils zwei G8 und zwei G9-Züge sein. Aber woher sollen die Schulen das vor der Anmeldung wissen?
 Der Schulversuch dauert bis 2023/24 und trotz eines derart massiven Eingriffs wollen SPD und Grüne nicht einmal das Parlament befragen.

Die Vorgaben der Ministerin lösen viel mehr Probleme aus, als sie lösen könnten. Wie lautet die Antwort der Ministerin zur Raumsituation und zum Ganztagsumbau? Was passiert mit Sitzenbleibern? Wie lösen SPD und Grüne die Frage der Lehrpläne und Schulbücher? Woher kommen die Lehrerstellen? Wie soll die Finanzierung erfolgen? Warum bekommen die Gymnasien eigentlich nicht wie „Gemeinschaftsschulen“ als Versuchszuschlag eine halbe Lehrerstelle pro Schule? Die Minderheitsregierung gibt auf die drängenden Fragen keine schlüssigen Antworten. Die Gymnasien sollten sich hüten, in die G9-Falle zu tappen. Rot-Grün will einen Keil zwischen die Gymnasien treiben. Es sollen Gymnasien erster und zweiter Klasse entstehen. Der gymnasiale Bildungsgang soll zersplittert werden.

Ein Wohnortwechsel wird schwieriger. Gymnasien, die zu G9 zurückkehren, können leichter in „Gemeinschaftsschulen“ umgewandelt werden. Und genau das ist ein zentraler Bestandteil des vergifteten Angebots der rot-grünen Minderheitsregierung: Unruhe zu schüren und die Gymnasien von innen zu zermürben. An Berufskollegs und Gesamtschulen kann man das Abitur regulär nach 13 Schuljahren ablegen, das ist G9. An den Gymnasien sollte es bei 12 Jahren bleiben, das ist G8."


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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