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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 10.09.2009

Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 14/9754 / SPD 14/9806

Frauenkarriere in der Wissenschaft

- es gilt das gesprochene Wort -

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es wird Sie überraschen, wenn ich sage, dass man über zwei Punkte dieses Antrags der Grünen wirklich diskutieren kann. Darin liegt auch Wahrheit. Ja, wir haben noch zu wenige Frauen in Wissenschaft und Forschung. Und: Ja, wir müssen die Hochschulen familienfreundlicher machen. Diesem Problem müssen wir zukünftig auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung verstärkt begegnen. Das kann aber – aus diesem Grund müssen wir den Antrag der Grünen auch ablehnen – nicht mit gesetzlichen Zwangsvorschriften geschehen,

(Beifall von der FDP)

die den Frauen, die in Wissenschaft und Forschung
etwas bewegen wollen, mehr im Weg stehen, als
ihnen Wege zu ebnen. Frauen sind nämlich nicht
deshalb in vielen Bereichen unterrepräsentiert, weil
sie fachlich noch nicht genug gefördert werden.

Wie sonst lässt es sich erklären, dass deutlich mehr Frauen als Männer das Abitur erlangen und dass mehr Frauen als Männer an den Hochschulen in Nordrhein-Westfalen immatrikuliert sind und dort auch noch besser abschneiden als ihre männlichen Kollegen? Eine deutliche Abnahme der Anzahl von Frauen tritt erst im weiteren akademischen Karriereverlauf auf.

Zwar haben wir in Nordrhein-Westfalen mehr weibliche Hochschulabsolventinnen; aber nur noch rund 38 % der abgeschlossenen Promotions- und rund 20 % der Habilitationsverfahren entfallen auf Kandidatinnen. Meine Damen und Herren, das zeigt uns deutlich, dass die niedrige Anzahl von Professorinnen nicht auf das Fehlen einer vorgeschriebenen Frauenquote, sondern auf das Fehlen von geeignetem Personal zurückzuführen ist. Deswegen greift Ihr Antrag an der entscheidenden Stelle zu kurz, meine Kolleginnen und Kollegen von den Grünen; denn Sie haben das Problem einfach nicht verstanden.

(Beifall von der FDP – Sigrid Beer [GRÜNE]:
Was? Die Frauen sind selbst schuld?)

– Nein, Frau Beer. Sie haben nicht richtig zugehört. Es geht nicht um eine mangelnde Qualifikation der Frauen, sondern um ein Fehlen von geeignetem Personal, um die vorhandenen Stellen zu besetzen. Das ist eine Folge Ihrer früheren rot-grünen Politik.

(Beifall von FDP und CDU – Lachen von SPD
und GRÜNEN)

Sie haben nämlich nicht für ausreichend U3- Betreuungsplätze gesorgt. Zu Zeiten Ihrer Verantwortung hatten wir keine 3%.

(Ralf Witzel [FDP]: Weniger als 3%!)

Inzwischen haben wir die Anzahl der U3-Betreuungsplätze versechsfacht. Das sind hervorragende Voraussetzungen dafür, dass sich die Situation in nächster Zeit ändern kann, Frau Beer.

Am 3. September 2009 titelte die „Rheinische Post“ mit „NRW will Frauen fördern“. Ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin: Gemeinsam mit fünf weiteren Professorinnen traf sich Marie-Louise Klotz mit Pinkwart in der Düsseldorfer Staatskanzlei. Sie sahen alle in der Schwierigkeit, Studium und Wissenschaft mit einem Kinderwunsch zu verbinden, eine Hauptursache für den immer noch geringen Frauenanteil in Spitzenpositionen an Hochschulen. Ich zitiere weiter: Die Entscheidung für Kinder gehe beinahe zwangsläufig mit einem Nachteil in der wissenschaftlichen Karriere einher, so die einhellige Meinung der Professorinnen.

Das untermauert genau das, was ich Ihnen gerade gesagt habe, Frau Beer. Daran erkennen Sie doch, wie sehr der vorliegende Antrag an den wirklichen Bedürfnissen und der Realität vorbeigeht. Schlimmer noch: Sie widersprechen sich in Ihrem Antrag selbst. Mit der Einführung einer Zwangsquote würden Sie den berufenen Frauen ja quasi eine Wahl – Kinderwunsch, ja oder nein? –
erschweren.

Zwangsquoten können kein geeignetes Mittel zur Bewältigung demografischer und familienplanerischer Probleme sein.

(Beifall von der FDP)

Die Ursache liegt doch tiefer. Viele Jobs an verantwortlicher Stelle in der Wissenschaft eignen sich leider nicht für Jobsharing. Wie soll nachmittags jemand weiter an einer Sache forschen und entwickeln, die am Vormittag ein Kollege oder eine Kollegin unter Zeitdruck begonnen hat? Den freien Blick auf das Gehirn anderer Menschen gibt es zum Glück noch nicht. Das erklärt auch einen Teil der Probleme, die es mit arbeitslosen Ingenieurinnen gab. Warum hatten wir eine große Anzahl arbeitsloser Ingenieurinnen? Weil sie überwiegend den Wunsch nach einer Teilzeitbeschäftigung geäußert haben. Ein Unternehmen, das mit unserem Innovationstempo Schritt halten will, kann es sich nicht leisten, solche verantwortlichen, innovativen Positionen mit Halbtagskräften zu besetzen. Das geht leider nicht.

(Vorsitz: Präsidentin Regina van Dinther)

Deswegen nochmals der Rückschluss: Der Schlüssel zum Erfolg, die Anzahl der Professorinnen, der Wissenschaftlerinnen zu erhöhen, ist, andere Voraussetzungen in der hoch qualitativen Kinderbetreuung zu schaffen, so wie es die schwarz-gelbe Landesregierung aktuell macht und auch schon in den vergangenen Jahren gemacht hat. Dort müssen wir vorankommen und familienpolitische und gesellschaftliche Voraussetzungen schaffen, damit diese Frauen in Verabredung mit ihren Partnern bereit dafür sind und es sich von der Kinderbetreuung und den tatsächlichen Möglichkeiten her leisten können, tatsächlich verantwortungsvolle Jobs in der Wissenschaft anzutreten und Karriere zu machen.

Präsidentin Regina van Dinther: Frau Kollegin, sind Sie damit einverstanden …

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP): Ich möchte fortfahren, Frau Präsidentin. – Die Landesregierung unternimmt zahlreiche Maßnahmen, um den Anteil von Frauen an den Hochschulen real und effektiv zu erhöhen. Exemplarisch seien hier nur die Initiative Zukunft durch Innovation.NRW, der Girls’Day und vom Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie zusammen mit den Hochschulen entwickelte Gender-Mainstreaming-Profile genannt. Ihre Forderung nach Programmen und Maßnahmen zur Frauenförderung sind daher längst überholt.

(Beifall von der FDP)

Die Landesregierung stellt auch schon längst zusätzliche Mittel für spezielle Mentoring- und Coaching-Programme zur Verfügung. In 2009 waren dies 6,4 Millionen €. Diese Förderung wird im Jahre 2010 sogar noch ausgebaut. Im Gegensatz zu Ihnen verlangen wir für solche Leistungen allerdings auch eine Gegenleistung. Wir halten es mit einer leistungsorientierten Mittelvergabe. Nur diejenigen, die real dazu beitragen, den Frauenanteil im akademischen Betrieb zu erhöhen, erhalten auch Fördermittel. Im Übrigen haben wir die Mittel für die Frauenförderung an Hochschulen seit 2005 um rund 70 % ermöchte Sie noch einmal daran erinnern, dass es vor uns eine rot-grüne Landesregierung gegeben hat, die sich nun anscheinend rückwirkend in der Pflicht sieht, ihre eigenen Versäumnisse aufzuarbeiten.

Dass die Maßnahmen – die Redezeit ist zu Ende; ich sehe es, Frau Präsidentin, und bin auch gleich fertig – der Landesregierung erfolgreich sind, zeigen auch die letzten Zahlen. Wir haben es beispielsweise geschafft, dass ab dem kommenden Wintersemester die Zahl der Hochschulrektorinnen von zwei im Jahre 2005 auf dann sieben ansteigen wird. Unsere Konzepte erweisen sich als erfolgreich, ohne dass wir auf gesetzliche Zwangsmaßnahmen zurückgreifen mussten. Das werden wir auch in Zukunft nicht tun. Eine Quote ist mit uns nicht zu verabreden. – Danke.

(Beifall von FDP und CDU)

Präsidentin Regina van Dinther: Danke schön, Frau Pieper-von Heiden.


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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