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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 27.05.2009

Antrag SPD 14/9267

Frauen in Aufsichtsräten

- es gilt das gesprochene Wort -

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP): Herr Präsident!Meine Kolleginnen und Kollegen! So humorvoll wird es bei mir jetzt nicht. Die Liberalen haben die Quotenregelung von jeher abgelehnt.

(Beifall von Ralf Witzel [FDP])

Es wird Sie nicht verwundern, dass wir das auch in diesem Fall tun werden. Dies tun wir aber nicht, weil wir uns nicht für mehr Frauen in Führungspositionen einsetzen. Im Gegenteil: Wir wollen mehr Frauen in diesen Positionen, aber wir wollen Frauen in diesen Positionen, die nicht nur dort sind, weil sie weiblich sind, sondern weil sie ganz einfach als Frauen dort hingehören, weil sie ihren Job gut machen.

(Zurufe von der SPD: Oh!)

Für uns setzt eine erfolgreiche Frauenpolitik einen Wandel im Rollenbild voraus.

(Beifall von Ralf Witzel [FDP])

Wir Liberale wollen echte Wertschätzung wegen guter Ausbildung und guter Arbeit und keine abwertende Quotierung. Quotenregelungen führen zum Verkauf unter Wert, zu Akzeptanz- und Integrationsproblemen. Oder möchte eine von Ihnen dauerhaft als die Quotenfrau abgestempelt werden? – Ich denke, nein. Polarisierende Zwangsmaßnahmen, wie wir sie von der alten rot grünen Landesregierung schon fast gewohnt waren, führen eindeutig nicht zum gewünschten Erfolg. Sie werden durch einen gesetzlichen Frauenzwang keine echte Partizipation erreichen können.

(Ursula Meurer [SPD]: Doch, Norwegen!)

Wir wollen vor allem den Frauen, die es bereits bis in die Führungsetagen diverser Unternehmen geschafft haben – übrigens auch in DAX-notierten Unternehmen –, keine Steine in den Weg legen und ihre natürlich erworbene Akzeptanz untergraben, indem wir ihnen den Quotenstempel aufdrücken.

(Beifall von Ralf Witzel [FDP])

Meine Damen und Herren, wir setzen in erster Linie auf die Stärken der Frauen und ihr Selbstbewusstsein. Wir setzen auf gute Bildung und Ausbildung. Wir setzen auf den unbedingten Willen jeder Frau, sich nicht unter Wert zu verkaufen. Dass dies durch eine angespannte Arbeitsmarktsituation nicht immer einfach ist, ist uns durchaus bewusst. Deshalb ist Ihr Ansinnen, eine an Norwegen orientierte Regelung zu erwirken, nicht im Ansatz realistisch. Deutschland und damit auch Nordrhein-Westfalen befindet sich in einer der schwersten wirtschaftlichen Krisen, die es je gegeben hat. Und da kommen Sie den Menschen, den Frauen, jetzt mit einer Frauenquote für Aufsichtsräte, einer Frauenquote nach norwegischem Vorbild – übrigens einem Land, das nahezu Vollbeschäftigung aufweist –, mit der Androhung der Auflösung der Aktiengesellschaft im Falle einer Zuwiderhandlung? Sie reden in Ihrem Antrag doch selbst von Wünschen und Lebensvorstellungen von Frauen, Frau Kraft. – Sie ist nicht mehr da, gut.

(Sylvia Löhrmann [GRÜNE]: Wo ist denn Ihr
Fraktionsvorsitzender?)

Aber die schlechteren Chancen auf dem Arbeitsmarkt korrespondieren mit der vormals schlechten Kinderbetreuung, die die Opposition nachweislich hinterlassen hat.

(Zurufe von der SPD: Oh!)

Nun wundern Sie sich, dass wir so wenige Frauen in Führungspositionen haben, dass der Einzug von Frauen in die Führungsgremien nicht schneller vorangeht? – Das ist doch ein schlechter Scherz. Hätten Sie dort einmal angepackt, wären wir heute schon deutlich weiter. Junge Mütter und auch Väter fragen sich nämlich nicht am Anfang ihrer Karriere, wie sie am schnellsten mit dem geringsten Widerstand in irgendwelche Aufsichtsräte gelangen können, sondern wie sie ihre Kinder bestmöglich betreut bekommen.

(Beifall von Ralf Witzel [FDP])

Sie wollen einen Kindergartenplatz, eine schulische Ganztagsbetreuung, um ihre Karriere erst einmal machen zu können und ihrem Beruf erst einmal nachgehen zu können. Diesen Wünschen kommt diese Landesregierung nach. Sie werden sehen, dass sich dieses bessere Betreuungskonzept auch auf die Anzahl der Frauen in Führungspositionen niederschlagen wird. Es geht nicht darum, den Druck auf Arbeitgeber und Unternehmen zu erhöhen,

(Beifall von Ralf Witzel [FDP])

sondern darum, diese in erster Linie davon zu überzeugen, sich mit Blick auch auf die demografische Entwicklung und die damit verbundene notwendige Expertise von Frauen ebenfalls um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bemühen. Meine Damen und Herren, genauso wichtig ist aber auch die Ausbildung der jungen Frauen selbst. Wenn Sie sich einmal die DAX-notierten Unternehmen anschauen, werden Sie feststellen, dass es sich überwiegend um Unternehmen aus dem Bereich der technischen, chemischen und pharmazeutischen Industrie wie auch aus dem IT Bereich handelt.

Auch hier müssen wir ansetzen. Junge Frauen müssen ermutigt und unterstützt werden, technische Berufe zu erlernen. Nur so kann es uns gelingen, noch mehr erfolgreiche und akzeptierte Frauen in Führungspositionen in der freien Wirtschaft zu etablieren. Stellen Sie sich in diesen Bereichen einmal eine Quotierung vor! Sie wären gar nicht in der Lage, die passenden Frauen zu finden, wenn die Aufsichtsratspositionen zu 50% mit Frauen besetzt werden müssten. Das zeugt von einer unglaublichen Wirtschaftsferne, die Sie hier dokumentieren.

(Beifall von der FDP)

Ihr Antrag ist nicht zielführend. Ich kann die anwesenden Kollegen nur bitten, ihn abzulehnen.
Die FDP-Fraktion wird das auf jeden Fall tun.

(Beifall von FDP und CDU – Britta Altenkamp
[SPD]: Dann gute Reise!)


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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