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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 27.05.2009

Antrag FDP/CDU 14/9258

Zeichen setzen gegen Schlankheitswahn und extremes Übergewicht

- es gilt das gesprochene Wort -

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Zahl der Jugendlichen mit Symptomen einer Essstörung steigt stetig an. Nicht nur Mädchen, sondern auch eine Vielzahl von Jungen sind davon betroffen. Es ist auch nicht nur die Zahl der Jugendlichen alarmierend, die einem krankhaften Schlankheitswahn nacheifern, sondern noch alarmierender sind die stetig steigenden Zahlen der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen. Dies wird leider immer wieder vergessen, wenn beim Thema Essstörung nur an magersüchtige junge Mädchen gedacht wird. Ein Grund hierfür ist sicherlich schnell gefunden. Gertenschlanke Zero Size-Models lassen sich besser vermarkten. Zuletzt war das vor ein paar Tagen beim groß aufgemachten Finale einer bekannten Model Casting-Show zur besten Sendezeit zu sehen. Kaum laufen Sendungen und Shows dieser Art durch die Medien, ist auch schnell wieder das Thema Magersucht und Bulimie im Spiel, leider oft nicht mit der wissenschaftlichen und sachlichen Orientierung, mit der man sich mit diesem Thema beschäftigen sollte, sondern vielmehr als unschöne mediale Schlammschlacht.

Anders verhält es sich beim Thema Übergewicht. Medientechnisch scheint dieses Thema nicht so viel herzugeben; zumindest schafft es dieses Thema meist nicht über die polarisierend reißerischen Nachmittagsshows hinaus. Alles in allem ist der öffentliche Umgang mit den Themen Schlankheitswahn und Übergewicht nicht erfreulich und nicht sachgerecht. Sehr oft wird der Ernst der Lage im Einzelfall verkannt. Übergewichtige Kinder leiden oft unter Erkrankungen, die wir eigentlich erst von Erwachsenen kennen: Diabetes, Bluthochdruck, Bandscheibenschäden, um nur einige zu nennen. Hinzu kommen weitere psychosomatische Probleme. Magersucht und Bulimie als wohl bekannteste Essstörungen sind Symptome einer psychischen Erkrankung, die ihren Ausdruck in einem krankhaft veränderten Ernährungsverhalten wie einem gestörten Verhältnis zum eigenen Körper finden. Kurz gesagt: Diese Kinder und Jugendlichen sind ernsthaft, teilweise lebensbedrohlich, erkrankt.

Meine Damen und Herren, unser Ziel muss es daher sein, daran mitzuwirken, dass sich alle gesellschaftlichen Kräfte ihrer Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Jugendlichen bewusst werden. Nicht nur die Medien sind hier gefragt. Wir alle tragen hier einen Teil der Verantwortung mit. Politik muss hier die Rolle des Aufrüttelnden spielen, die Problemlagen klar formulieren und als Moderator zwischen den einzelnen Interessengruppen fungieren. Deshalb begrüßt die FDP-Landtagsfraktion, dass der vorliegende Antrag sich nicht nur auf einen zunehmend zu beobachtenden Schlankheitswahn fokussiert, sondern auch das Thema Übergewicht bis hin zu Adipositas – also beide Formen und Symptome von gestörtem Essverhalten und psychischen Problemen – gleichgewichtet aufgreift.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen gemeinsam nach Wegen suchen, wie das Bewusstsein für einen gesunden und ausgewogenen Lebensstil verbessert werden kann. Eltern und Familie sind hier in der Pflicht. Sie bedürfen aber auch der bestmöglichen Unterstützung durch uns. Werbe- und Showverbote oder die oft geforderte Ampelkennzeichnung von Lebensmitteln helfen da wenig. Neben der Förderung der Ernährungskompetenz und den Programmen zur Förderung der körperlichen Bewegung in Kitas und Schulen und der Sensibilisierung der dortigen Akteure muss die Problematik verstärkt in die Jugendarbeit Einzug halten und in sachlicher Art und Weise auch gesellschaftlich wahrgenommen werden. Wir setzen uns daher nachdrücklich für einen verstärkten Ausbau der Netzwerkarbeit in diesen Bereichen ein.

Die FDP schaut hierbei auch gerne über den Tellerrand hinaus und begrüßt nicht nur gute Initiativen aus anderen Bundesländern, sondern auch aus unseren europäischen Nachbarländern. Dies ist auch sinnvoll und notwendig; denn insbesondere Fernsehbilder machen nicht vor Staatsgrenzen halt. Die Probleme sind überall ähnlich. Deshalb gilt es, voneinander zu lernen und miteinander zu arbeiten. Die Landesregierung hat bereits einiges angestoßen. Die Einrichtung von Bewegungskindergärten und die Landesprogramme zur Verbesserung der Ernährungsbildung sind Schritte in die richtige Richtung. Sie müssen konsequent weiterverfolgt und ausgebaut werden.

Wir möchten darüber hinaus mithilfe dieses Antrags
alle Verantwortlichen aus Bund, Land und Wirtschaft zum sachlichen Dialog einladen, um gemeinsam eine breite Öffentlichkeit zu erreichen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, wie wir unsere Kinder und Jugendlichen sowohl vor unrealistischen Schönheitsidealen als auch vor den Folgen von extremem Übergewicht bewahren können. Aber es muss auch klar sein: Ohne psychische Störungen gibt es auch keine Magersucht. Das ist ein ganz wichtiger Ansatzpunkt. Daher gibt es andere Felder, wo man weit im Voraus auf der Hut und wachsam sein muss, um diesen Kindern und Jugendlichen zu helfen.

(Beifall von der FDP)


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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