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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 07.05.2009

Gesetzentwurf der Landesregierung 14/7961 14/9085

Rede Lehrerausbildungsgesetz

- es gilt das gesprochene Wort -

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP): Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich freue mich über die zweite Lesung des Gesetzentwurfs zur Reform der Lehrerausbildung gerade heute und danke allen Kolleginnen und Kollegen der Regierungsfraktionen sowie den beiden Ministern der Landesregierung ganz besonders herzlich für dieses perfekte Geburtstagsgeschenk. Vielen Dank!

(Beifall von FDP und CDU)

Ein Unterricht ist immer nur so gut wie die Lehrer, die ihn gestalten. Daher ist das neue Lehrerausbildungsgesetz ein Meilenstein für Nordrhein-Westfalen und die Voraussetzung dafür, die Qualität des Unterrichts in den Mittelpunkt zu stellen. Wir schaffen eine moderne Lehrerausbildung, um die uns die anderen Bundesländer schon bald beneiden werden. Ich möchte hier - mit Erlaubnis des Präsidenten - aus der Stellungnahme von Herrn Prof. Dr. Ralle von der Technischen Universität Dortmund zitieren, der gesagt hat:

Als Meilensteine für die weitere Entwicklung der Lehrerbildung in NRW und damit auch in Deutschland können aus meiner Sicht die folgenden Punkte gelten: gleiche Umfänge der Studiengänge in den verschiedenen Lehrämtern, kontinuierliche Praxisausbildung mit Einführung eines Praxissemesters, besondere curricurale Hinwendung zur Primarstufenausbildung, Einführung zweier zentraler Querschnittsqualifikationen für alle Lehrämter (Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte; Diagnostik und Förderung).

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin überzeugt, dass vor allem die Gleichwertigkeit der Lehrämter ein wichtiger Schritt ist. Wir stärken massiv die Primarbildung. Gerade diese Stärkung ist ein wichtiger Baustein in der individuellen Förderung. Je früher wir die Kinder konsequent fördern, desto besser können wir frühzeitig milieuspezifischen sozialen Problemen entgegenwirken. So erhalten alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft eine faire Chance, ihr Potenzial zu entfalten und sich im Leben zu behaupten. Wir ergreifen mit der neuen Lehrerausbildung auch den entscheidenden Schlüssel zur besten Gestaltung der Sozialpolitik. Wir stärken den Unterricht und damit die Bildung. Wir erhöhen mit der Stärkung der Primarbildung auch die Attraktivität des Grundschullehramts, um die geschlechtsspezifiEs gehören mehr Männer in die Grundschulen. Um all diesen Ansprüchen zu genügen, ist es wichtig, dass wir das jeweilige Kind und seine individuellen Talente in den Blick nehmen. Mit der Stärkung der diagnostischen Kompetenz und der Fachdidaktik sowie dem Ausbau der Bildungswissenschaften nehmen wir diese Individualität in den Blick, statt einer ideologischen Einheitslösung das Wort zu reden. Hierzu möchte ich Prof. Baumert zitieren, der ausgeführt hat: „Vielmehr sollte stattdessen eine spezifische fachliche Ausbildung absolviert werden, die auf das Berufsfeld bezogen ist.“ Genau diesen Weg beschreiten wir mit dem Schulformbezug.

Und wir reagieren auf die Veränderungen in der Gesellschaft. Viele Kinder in Nordrhein-Westfalen haben heute einen Migrationshintergrund. Das bedeutet vielfach, dass die Beherrschung der deutschen Sprache an Grenzen stößt. Was wir mit den Sprachstandsfeststellungen begonnen haben, führen wir mit der neuen Lehrerausbildung konsequent fort. Mit der Einführung der Qualifikation „Deutsch für Kinder mit Zuwanderungsgeschichte“ stärken wir für diese wachsende Gruppe die Chancengerechtigkeit und die Möglichkeit zur Entfaltung aller Talente, unabhängig von ihrer Herkunft.

Meine Damen und Herren, ein zentrales Element der neuen Lehrerausbildung bilden ohne Zweifel die Praxisphasen. Wir schärfen den angehenden Lehramtsstudenten durch das Eignungspraktikum frühzeitig den Blick für ihre zukünftigen Aufgaben. So können sie prüfen, ob sie für einen der verantwortungsvollsten Berufe, die es gibt, geeignet sind. Dass die Koalitionsfraktionen mit den Änderungsanträgen eine weitere Stärkung der Praxiselemente vorgenommen haben, ist aus meiner Sicht ausdrücklich zu begrüßen. Durch die Polyvalenz des Studiums stellen wir sicher, dass die Entscheidung eines Studenten gegen die Fortführung eines Lehramtsstudiums nicht eine Studienzeitvergeudung bedeuten muss. Wir eröffnen den Studenten, wenn sie sich für den Lehrberuf ungeeignet fühlen, eine andere Perspektive. Sie müssen nicht mehr aus organisatorischen Gründen das Studium beenden und an die Schulen gehen, auch wenn sie für den Beruf des Lehrers gar nicht „brennen“. Denn nur die Sache, für die man „brennt“, macht man auch gut. Ich finde, das ist eine richtige Konsequenz, die sicherlich dafür sorgen wird, dass wir künftig Lehrerinnen und Lehrer haben, die ihren Beruf lieben, die Kinder lieben und die ihre Sache richtig gut machen werden.

Abschließend möchte ich noch einmal Prof. Baumert zitieren, der gesagt hat: Diese Ausbildungsreform „gibt dem größten Bundesland Nordrhein-Westfalen die Chance, in der Lehrerbildung eine proaktive und möglicherweise führende Rolle einzunehmen.“ Unser Ehrgeiz ist es, nicht nur möglicherweise, sondern sicher mit diesem Gesetzentwurf die führende Rolle in der Lehrerbildung zu übernehmen. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit, hoffe und bin zuversichtlich, dass auch die anderen Bundesländer auf der Grundlage unseres Gesetzentwurfes bald nachziehen werden.

(Beifall von FDP und CDU)


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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