www.fdp.de
Logo

Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 19.03.2009

Antrag FDP/CDU 14/8700

Rede zum Thema Gütesiegelschulen

- es gilt das gesprochene Wort -

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP): Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

Bis zum Ende dieser Legislaturperiode sollen 350 Schulen das „Gütesiegel Individuelle Förderung“ tragen. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, aber wir wollen den qualitativen Ausbau der individuellen Förderung vorantreiben und in die Fläche tragen. Nur so kann sie schnell allen Kinder und Jugendlichen, unabhängig von der Region oder der Schulform, zugutekommen. FDP und CDU haben mit dem neuen Schulgesetz erstmals die individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen zum Leitbild unserer Schulpolitik und zur Verpflichtung aller Schulen im Land erhoben. Wir haben nahezu 7.000 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen, den Unterrichtsausfall mehr als halbiert und setzen Qualitätsstandards flächendeckend um.

Zu diesen zukunftsorientierten Schritten zählen auch die Schulen, die aufgrund ihrer Qualität das „Gütesiegel Individuelle Förderung“ erhalten haben. Wir haben inzwischen vieles erreicht auf dem Weg zum Bildungsland Nummer eins, aber wir sind noch nicht am Ziel.

(Sören Link [SPD]: Aber Sie sind am Ende!)

Meine Damen und Herren, die Gütesiegelschulen sind ein wichtiger Baustein zur Verwirklichung der individuellen Förderung. Deshalb wollen wir den Ausbau forcieren. Wir sollten nicht so tun, als wäre es in den vergangenen Jahren bereits gelungen und als hätten alle Schulen im Land es geschafft, die individuelle Förderung hinreichend umzusetzen. Das hat damit zu tun, dass die individuelle Förderung unter der Verantwortung von Rot-Grün ein über die Jahre hinweg komplett vernachlässigtes Thema war. Gerade die Gütesiegelschulen sind ein herausragendes Beispiel für forcierte Qualität. Durch die Profilbildung können an den Schulen ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. So kann in differenzierten Klassen und Kursen für die unterschiedlichen Kinder und Jugendlichen leistungsstandgerecht die bestmögliche Förderung erreicht werden.

Meine Damen und Herren, die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen der bisherigen 237 Gütesiegelschulen zeigen, wie wichtig die individuelle Betrachtung jedes Kindes ist.

(Beifall von der FDP)

Bei einigen Schulen liegt ein Schwerpunkt auf den besonders Begabten, bei anderen werden vor allen Dingen die Leistungsschwächeren gefördert, wieder andere Schulen nehmen sich speziell der Migrantenförderung oder auch der geschlechterspezifischen Förderung an. Eigentlich aber gehört jede Art der individuellen Förderung an jede einzelne Schule.

Um ein Beispiel herauszugreifen: FDP und CDU hatten mit dem Antrag „Jungen fördern – ohne Mädchen zu benachteiligen – Durch individuelle Förderung die Geschlechtergerechtigkeit in der Schule weiter verbessern“ eine wichtige Initiative vorgelegt. Diesem Unterschied muss gerade auch in der individuellen Förderung, in der individualisierten Ansprache von Jungen und Mädchen, zum Beispiel beim Lesen, stärker Rechnung getragen werden. Gerade erst in der letzten Woche hat das Jahresgutachten 2009 des Aktionsrates Bildung „Geschlechterdifferenzen im Bildungssystem“ die Notwendigkeit einer solchen differenzierten und individualisierten Förderung deutlich unterstrichen.

Aber Vorsicht an der Bahnsteigkante: Zuallererst müssen wir auf Fähigkeiten, Potenziale und Neigungen unserer Schüler schauen, die nicht zwingend abhängig vom Geschlecht sind. Es ist nie gut, alle über einen Kamm zu scheren.

(Beifall von der FDP)

Noch einmal: Die variierenden Förderschwerpunkte sollen nicht gegeneinander stehen. Im Gegenteil: Profilbildungen bei der Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund schließen zum Beispiel die Hochbegabten- oder Mädchenförderung bei denselben Kindern nicht aus. All diese individuellen Förderinstrumente an den Schulen können sich selbstverständlich überschneiden und gegenseitig befruchten.

(Beifall von der FDP)

Entscheidend ist, dass die Kinder dort abgeholt werden, wo ihre Talente und ihre Schwächen liegen. Wir stärken die Stärken und bauen die Defizite ab. Die unterschiedlichen Schwerpunkte der individuellen Förderung zeigen aber noch etwas anderes: Es ist nicht der richtige Weg, die Kinder lediglich in einem riesigen Zwangssystem zusammenzufassen und zu hoffen, die Kinder würden sich irgendwie gegenseitig fördern. Dies richte ich an die Adresse von Rot-Grün.
FDP und CDU haben erfolgreich einen Paradigmenwechsel eingeleitet. Wir nehmen das einzelne Kind, den einzelnen Jugendlichen in den Blick.

(Zuruf von Sylvia Löhrmann [GRÜNE])

Wir arbeiten an der Qualität und streiten nicht über Systemfragen. Meine Kolleginnen und Kollegen, daher ist es aus Sicht der FDP besonders wichtig, dass der Ausbau inhaltlich-qualitativ vorangetrieben wird. Der numerische Ausbau muss eine Folge erhöhter Qualität sein. Nicht jede Schule und nicht jedes Förderkonzept verdienen automatisch das „Gütesiegel Individuelle Förderung“.

Aber gerade weil wir auf einen qualitativen Ausbau setzen, nehmen die Gütesiegelschulen im Gesamtkonzept der individuellen Förderung einen herausragenden Stellenwert ein. Sie dienen anderen Schulen als Beispielgeber und als Motor im Wettbewerb aller Schulen um die Verbesserung schulischer Qualität.

Sie sollen mit ihren Konzepten in die Fläche ausstrahlen und möglichst vielen anderen Schulen als Vorbild dienen. Daher sind die kontinuierliche Dokumentation erfolgreicher Förderung und der stete Gedankenaustausch zwischen den Schulen und Lehrkräften wichtig. Dieser Gedankenaustausch wird gerade auch durch die regionalen Bildungsnetzwerke in die Fläche und in jede Region von Nordrhein-Westfalen getragen.

Es ist noch viel zu tun, aber mit dem qualitativen Ausbau dieser Vorbildschulen steht uns ein Erfolgsmodell zur Verfügung, das wir kontinuierlich ausweiten werden. Ich bin sicher, dass wir das hochgesteckte Ziel bis zum Ende der Legislaturperiode erreichen und auch darüber hinaus keine Ruhe geben werden, bevor alle oder fast alle Schulen in Nordrhein-Westfalen dieses Gütesiegel zu Recht tragen. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall von FDP und CDU)


Zurück

Druckversion Druckversion 

Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

Weiterbildung