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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 18.03.2009

Antrag FDP/CDU 14/8701

Rede zum Thema Wirtschaft in Schulbüchern

- es gilt das gesprochene Wort -

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP):
Frau Präsidentin Liebe Kolleginnen und Kollegen!

Die Vermittlung wirtschaftlicher Kenntnisse der ganzen letzten Jahre ist in den Schulen schlicht unzureichend gewesen. Wir müssen mit verschiedenen Maßnahmen ansetzen. Das tun FDP und CDU. Ich möchte in dem Zusammenhang mit Erlaubnis der Präsidentin den Oldenburger Bildungsprofessor Hans Kaminski zitieren: Wirtschaft an deutschen Schulen kommt immer noch zu kurz! Dass heute viele Schüler bereits Schulden haben, ist nicht zuletzt auch auf den unbedachten Umgang mit Geld und auf mangelnde Kenntnisse über wirt-schaftliches Handeln zurückzuführen. Es fehlt oftmals an einem soliden Grundstock wirtschaftlichen Wissens.

Zukünftig werden die sozialen Sicherungssysteme wohl nur noch eine Grundversorgung der Menschen sichern können. Gerade in der gegenwärtigen Krise ist es daher von zentraler Bedeutung, dass den Kindern und Jugendlichen die Chancen, aber auch die Grenzen der öffentlichen Sozialversicherungssysteme dargestellt werden.
Ebenso müssen sie die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen und Risiken der privaten Angebote frühzeitig kennenlernen.

(Johannes Remmel [GRÜNE]: Das ist doch unerhört! Was ist das zynisch!)

Selbstverständlich sind in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen worden, um die Vermittlung ökonomischer Inhalte in den Schulen zu stärken. Auch haben wir schon eine positive Wegstrecke in der Berufsorientierung sowie der Zusammenarbeit zwi-schen Schulen und Wirtschaft zurückgelegt:
Mehr Praktika, mehr frühzeitige Berufsorientierung, Seniorexperten und Unternehmen als Partner für Schulen sind bereits erfreuliche Entwicklungen. Aber wir müssen auf diesem Weg noch weiter voranschreiten. Auch für den Unterricht gibt es beispielsweise Rahmenvorgaben für ökonomische Bildung in den Sekundarstufe I oder die sozialwissenschaftlichen Vorgaben für die Sekundarstufe II. Dabei ist wieder einmal bezeichnend: Zunächst werden erste Gehversuche in der Ökonomievermittlung an den Schulen am Kreislauf der Müllwirtschaft oder des Biobauernhofs festgemacht. Das ist nicht wirklich das, was wir unter Grundlagen von Wirtschaftskompetenz verstehen, und erklärt unsere in Globalisierung eingebettete soziale Marktwirtschaft und deren Eckpfeiler nicht.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, es ist für die Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge von herausragender Bedeutung, dass den Kindern ein umfassendes und objektives Bild von Ökonomie vermittelt wird. Daher ist es auch von zentraler Bedeutung, dass die Lernmittel objektiv und unideologisch die gesamte Bandbreite wirtschaftlicher Aktivität darstellen.

Die Studie des Georg-Eckert-Instituts zeigt, dass etwas fehlt. Die Schulbücher sind sehr stark auf die Rolle des Staates ausgerichtet. Der Selbstständige kommt viel zu wenig vor.

(Beifall von der FDP)

Aber das wirtschaftliche Leben, das Rückgrat der Wirtschaft in der Bundesrepublik, bilden die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen und die Menschen, die sie aufbauen und erfolgreich gestalten.

Mit Erlaubnis der Präsidentin zitiere ich aus einer Denkschrift der EKD aus dem Jahre 2008: Wir brauchen Menschen, die den Mut und die Vision haben, neue Industrie- und Dienstleistungsunternehmen aufzubauen, neue Produkte kreativ zu entwickeln und für sie Märkte zu erschließen.

Gespräche mit mittelständischen Unternehmen zeigen immer wieder, dass in den Schulen ihre Arbeit, Kenntnisse über ihr wirtschaftliches Handeln, ihre Probleme, aber auch ihre erfolgreiche Arbeit zu wenig thematisiert werden.
Positive Beispiele sind besonders wichtig, wenn wir uns an die Veröffentlichungen der letzten Wochen zu Menschen mit Migrationshintergrund in unserem Land erinnern. Die von Personen mit Migrationshintergrund getragene frühere Nischenökonomie hat sich deutlich von der reinen Dienstleistungswirtschaft hin zu weiteren Feldern wie zum Beispiel der Biotechnologie entwickelt. Auch diese selbstständigen Unternehmer können vielen Jugendlichen als Vorbilder dienen.

Meine Kolleginnen und Kollegen, wir müssen die Kenntnisse der sozialen Marktwirtschaft in allen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern stärken.

(Beifall von der FDP)

Dafür ist es zielführend, dass wir den Sachverstand der Wirtschaft vermehrt einbinden. Es soll mehr Entwicklung von Unterrichtsreihen geben, bei denen explizit auf den Sachverstand der Wirtschaft zurückgegriffen wird. Wir müssen die hier bereits bestehenden Angebote deutlich ausbauen.

Wir stärken in den Haupt- und Gesamtschulen die Berufsorientierung. Hierzu zählt auch eine verstärkte Einbindung der Wirtschaft. Durch eine verbesserte Zusammenarbeit der Schulen mit der Wirtschaft vor Ort kann die Kompetenz gerade auch der mittelständischen Wirtschaft in der jeweiligen Heimat-region zur Erhöhung der Ausbildungs- und Berufsfähigkeit bei den Kindern und Jugendlichen beitragen.

Unlängst hat eine baden-württembergische Studie die hohe Verantwortungsbereitschaft und die Be-reitschaft zum Engagement von Wirtschaftsunter-nehmen im Bildungsbereich nochmals unterstrichen. Aber die Untersuchung zeigt auch, dass Projekte bisweilen an der Kommunikation scheitern. Auch an der Stelle gilt es anzusetzen und zum Wohle der Kinder und Jugendlichen kontinuierlich besser zu werden. Wir müssen wirtschaftliche Kenntnisse stärken, Risiken deutlich machen. Vor allem aber müssen wir eins:

Wir müssen Chancen vermitteln und nutzen, unseren Kindern und Jugendlichen Wirtschaft und soziale Marktwirtschaft als etwas Positives und Selbstverständliches darstellen. – Danke.

(Beifall von FDP und CDU)


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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