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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 13.11.2008

Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 14/7789

Rede zum Thema Gemeinschaftsschulen

- es gilt das gesprochene Wort -

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP):

Frau Präsidentin!
Meine Damen und Herren! Frau Beer, ein Satz Ihres uns vorliegenden Antrags trifft zu: Die FDP will neue Modelle der organisatorischen und pädagogischen Zusammenarbeit von Haupt-, Real- und Gesamtschulen zulassen, wenn die Gremien der beteiligten Schulen und ihre Träger entsprechende Beschlüsse fassen. Das ist so richtig.

(Beifall von der FDP)

Bevor ich weiter darauf eingehe, noch ein Satz zu
den Hauptschulen: Die Hauptschuloffensive – im
doppelten Sinne: Ganztag und qualitative Offensive
– war richtig und gut, und sie ist wirksam.
(Beifall von der FDP)

Dennoch müssen wir unter den Zeichen des demografischen Wandels, bei dem wir davon ausgehen müssen, dass in ländlichen Strukturen nicht alle Schulangebote aufrechterhalten werden können, Lösungen anbieten. In der Tat geht der Leitantrag der FDP ein bisschen über das Schulgesetz hinaus, indem wir sagen: Nicht nur Haupt- und Realschule oder Haupt- und Gesamtschule dürfen sich zusammenschließen
können – all das gilt für die nächste
Legislatur, das streben wir an –, sondern auch die
drei Schulformen Hauptschule, Realschule und
Gesamtschule. Das noch einmal zur Verdeutlichung. Sie möchten es gern falsch verstehen, Frau Beer. Sie drehen den Regierungsfraktionen jedes Wort im Munde um. Das muss ganz klar sein. Das ist die Option für die nächste Legislatur, die wir uns vorstellen. Ich finde es unverschämt, wenn Sie in Ihrem Antrag
sagen, die FDP konterkariere ihren eigenen Anspruch auf Bildungschancen für alle Kinder, egal
welcher Herkunft. Das ist unverschämt.
(Frank Sichau [SPD]: Ja, so ist es doch!)
Das Modell, das wir uns vorstellen, heißt nicht umsonst differenzierte Regionalschule. Darunter verstehen wir getrennte, differenzierte Bildungsgänge, (Sigrid Beer [GRÜNE]: Schul-Apartheid ist das!) die auf die unterschiedlichen Fähigkeiten und Begabungen der Kinder Rücksicht nehmen. Ich sage Ihnen auch: Hier brauchen wir noch mehr Differenzierung.

Wir haben in diesem Land doch nicht zu viel Differenzierung, sondern zu wenig!

(Beifall von der FDP)

Außerhalb von getrennten Bildungsgängen können
wir uns auch anderes vorstellen, zum Beispiel sowohl horizontale als auch vertikale Drehtürmodelle. Wir haben nicht nur drei Typen von Schülern in diesem Land. Mit Ihrer Gemeinschaftsschule wollen Sie alle Kinder mit demselben Stoff segnen.
(Zuruf von Sören Link [SPD])
Sie werden die Schwachen überfordern und die
Guten ausbremsen.

(Beifall von der FDP)

Das ist eine Versündigung an den Talenten unserer
Kinder. Wir brauchen alle Talente in diesem Land.
Wir können und wollen es uns nicht leisten, auf
hervorragende Talente zu verzichten, aber auch
nicht darauf, andere Kinder, die eher noch Schwierigkeiten haben, zu befähigen und zu mehr zu führen, als sie vielleicht ohne eine individuelle Förderung an Chancen in diesem Land hätten. Die Regierungsfraktionen bieten hier Chancen an. Wir haben die individuelle Förderung im Schulgesetz festgeschrieben.

Genau die werden wir umsetzen, und zwar in noch stärkerer Weise, als es bislang möglich war. Verlassen Sie sich darauf! Frau Beer, wenn Sie auch noch so gerne schreiben, dass sich alle ein längeres gemeinschaftliches Lernen und die Gemeinschaftsschule wünschen, muss ich sagen: Nein. Sie unterliegen ganz klar einem Irrtum. Nur eine kleine Minderheit, jedenfalls aber nicht die Mehrheit der Bevölkerung will die Gemeinschaftsschule. Es gibt keine Mehrheit in der Bevölkerung für ein längeres gemeinsames Lernen.

Wenn Sie der FDP unterstellen, dass sie ein gemeinsames Lernen von der fünften bis zur zehnten Klasse möchte, dann ist das eine böswillige Interpretation dieses Antrags. Wenn wir „unter einem Dach“ sagen, dann meinen wir „unter einem Dach“. Wenn Schulformen zusammengeführt werden, ist es doch selbstverständlich, dass sich diese unter einem Dach befinden. Natürlich brauchen wir eine
pädagogische Verzahnung. Das ist doch gar keine
Frage. Wir werden aber getrennte Bildungsgänge
beibehalten und mehr Differenzierung, als wir sie
bislang haben.

(Beifall von der FDP)

Schreiben Sie sich das bitte endlich einmal hinter
die Ohren! Frau Beer, auch wenn Sie es nicht gerne
hören wollen: Ich erinnere an die Untersuchung von Weinert aus dem Jahre 2000. Er sagt, bei der überwiegenden Mehrzahl der Kinder ist die Begabungsstruktur mit zehn Jahren klar erkennbar. Sie wollen es nicht hören, Frau Beer, aber homogene Lerngruppen erzielen bessere Lernergebnisse als heterogene. Nicht umsonst ist das internationale Sportsystem in Leistungsklassen eingeteilt, weil jeder Sporttreibende in seiner Gruppe optimal gefördert, aber nicht überfordert wird. Unterforderung und Überforderung lähmen die Motivation und die Arbeitsmoral, auf die es heute gerade in unseren Schulen ankommt. Wir wollen niemanden lähmen. Wir wollen niemanden demotivieren. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Wir wollen jedes Kind individuell fördern, auch wenn Schulformen in der Zukunft stärker als bislang zusammengelegt werden.

(Das Ende der Redezeit wird angezeigt.)

Wir wollen die volle Differenzierung. Wir wollen alle
Bildungsgänge ermöglichen. Wir wollen alle Kinder
fördern und nicht nivellieren.

(Beifall von der FDP)

Diese Einheitssoße haben wir in diesem Land in
den letzten Jahrzehnten wirklich zum Überfluss
gehabt. Was dabei herausgekommen ist, haben Sie
hoffentlich gesehen. Wir haben alles auf eine Mitte
hin geführt. Sie haben die Schwachen nicht wirklich
gefördert. Sie haben es versucht. Es ist Ihnen aber
nicht gelungen. Die Guten haben Sie auf der Strecke gelassen. Das werden wir anders machen. Ich hoffe, Sie haben jetzt verstanden, wie es gemeint war. – Danke.

(Beifall von der FDP)


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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