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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 18.09.2008

Antrag BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 14/7453

Rede zur Gesamtschuldebatte

- es gilt das gesprochene Wort -

"Es ist schon absurd, welches Schauspiel Grüne und SPD in dieser Debatte bieten. Da werden von der gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule NRW, der Schulleitervereinigung der Gesamtschulen und dem DGB Daten einer Umfrage an 29 Gesamtschulen präsentiert. Und die wissenschaftliche Beraterin Gabriele Bellenberg erklärt bei der Vorstellung dieser Studie auf Nachfragen der Journalisten persönlich: "Die Daten sind streng genommen nicht repräsentativ." Das haben SPD und Grüne geflissentlich überhört, wenn sie unisono die "eindeutigen Belege einer wissenschaftlich fundierten Studie" loben. Repräsentativ sind die Zahlen deshalb noch lange nicht.

Dagegen beklagen sich die Oppositionsparteien mit Blick auf die Ergebnisse des Zentralabiturs über eine Diffamierung der Gesamtschulen. Dabei handelt es sich bei den vorliegenden Daten, die die Leistungsprobleme an den Gesamtschuloberstufen belegen, um amtliche Statistiken. Während die Koalition Tatsachen bewertet, betreibt Rot-Grün ideologische Vogelstraußpolitik und verweigert sich der Realität.

Ein Beispiel: SPD und Grüne behaupten, man müsse bei den qualitativen Mängeln der Gesamtschuloberstufen vor allem die soziale Zusammensetzung der Schülerschaft berücksichtigen. Da nennt Rot-Grün dann als Beispiel gerne Migranten und wie erfolgreich diese dort zum Abitur geführt werden. An den Gymnasien haben sie angeblich keine Chance. Diese Argumentation empfinde ich als Abwertung der Schüler. Wie kann man die mangelnde Qualität einer Schulform damit erklären, dass die "Schüler eben so seien"? Das ist nicht nur eine Kapitulation von Schule, es ist auch den Schülern gegenüber beleidigend!

Zudem ist diese Behauptung auch noch nachweislich falsch. Vergleicht man ausschließlich die 105 Oberstufen an Gymnasien, die der durchschnittlichen sozialen Struktur (Migrantenstruktur) an den Gesamtschulen entsprechen, scheitern an diesen Gymnasien 26 Prozent der Migranten. An den Gesamtschulen sind es dort aber 40 Prozent.

41 Prozent der Migranten scheitern insgesamt in den Oberstufen aller Gymnasien. Das sind ohne Zweifel deutlich zu viele. Aber: An allen Gesamtschuloberstufen scheitern insgesamt 57 Prozent der Migranten. Nicht einmal die Behauptung von Rot-Grün, dass die Gesamtschulen bei einer besonders schwierigen sozialen Struktur besonders erfolgreich arbeiten, entspricht der Realität.

Ob es der Opposition gefällt oder nicht: Die amtlichen Daten zeigen, dass es an den Gesamtschuloberstufen ein Qualitätsproblem gibt. Das ist keine Diffamierung, sondern das ist die Realität. Unsere Schüler - und damit meine ich alle Schüler - verdienen aus Sicht der FDP aber das qualitativ beste Schulsystem, das möglich ist und nicht die quantitativ heftigste ideologische Volksverdummung.

Ich möchte beispielhaft noch einige weitere Zahlen nennen, die die Probleme in den Oberstufen der Gesamtschulen unterstreichen: Gesamtschulen trennen sich von fast jeden zweiten Schüler in weniger als drei Jahren der Oberstufe. Diejenigen Schüler, die dann die Abiturprüfung an Gesamtschuloberstufen ablegen, erreichen in vielen Fächern schwache Ergebnisse. In Mathematik, um nur ein fachbezogenes Bespiel zu nennen, erzielen mehr als die Hälfte der Schüler in den Leistungskursen katastrophale Ergebnisse. Und: Wenn Vornoten
80 Prozent des Abiturs ausmachen, ist das eine Erklärung dafür, wie mit einem Anteil von weniger als 10 Prozent Schülern mit Gymnasialempfehlung schließlich 30 Prozent Abiturienten werden.

Gesamtschulen haben den Ganztag und viel mehr Unterricht bis zum Abitur, als die Gymnasien. Dennoch erzielen sie deutlich schlechtere Ergebnisse als die Gymnasien. Das ist es, was uns besorgt. Das ist es, was wir verbessern möchten. Denn Ziel der FDP-Bildungspolitik ist: das jedes Kinder bestmöglich gefördert wird - das gilt selbstverständlich auch für Gesamtschüler. Um jedem Kind beste Bildungschancen zu ermöglichen, dürfen die Augen vor Problemen daher nicht verschlossen werden. Es ist dauerhaft nicht tragbar, dass mit einem Maximum an Input, ein Output weit entfernt vom Maximum erzielt wird. Wer da noch sagt, dass es an den Gesamtschuloberstufen keine Probleme gibt, der kann entweder keine Statistiken lesen oder argumentiert rein ideologisch."


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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