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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 28.08.2008

Antrag CDU/FDP 14/7389 in Verbindung mit Antrag SPD/Grüne 14/7390

Aktuelle Stunde: Zentralabitur

Sie haben ein Chaosabitur heraufbeschworen, aber wir reden heute hier vom besten Abitur aller Zeiten seit Beginn der Aufzeichnung 1992 - und wir reden dieses beste Abitur nicht herbei, sondern es ist belegt!

Die qualitativen Bildungsstandards, die FDP und CDU in den vergangenen Jahren eingeleitet und durchgesetzt haben, sind ein Erfolg. Die bereits gegenwärtig 5.084 zusätzlichen Lehrer gegen Unterrichtsausfall, für die individuelle Förderung und den Ganztagsausbau wirken; zusammen mit den über 4.000 Lehrerstellen, die uns die Demographie beschert hat und die wir im System belassen haben. Die Abiturienten haben im vergangenen Jahr durchschnittlich das beste Abitur seit 1992 gemacht. Der Notendurchschnitt konnte nach den bisher vorliegenden Zahlen leicht auf 2,63 verbessert werden. Die Quote der durchgefallenen Schüler ist um einen Prozentpunkt auf 2,6% gesunken. Ich beglückwünsche unsere Schüler herzlich zu ihrem bestandenen Abschluss und wünsche ihnen für ihre weitere Zukunft alles Gute.

Um künftig möglichst alle Schwierigkeiten im Ablauf abzustellen, begrüßt die FDP-Fraktion die Einführung eines Sachverständigenrats als guten und richtigen Schritt. Dabei hat die Schulministerin deutlich gemacht, dass die Verantwortung selbstverständlich im Ministerium bleibt. Insofern erschließt sich mir die von der Opposition geäußerte Kritik an der Verbesserung des Verfahrens nicht. Das gilt auch und insbesondere für Ihre hohle Kritik an den neu einzuleitenden Hilfsmaßnahmen für die Gesamtschulen. Sie halten die Kritik an den Gesamtschulen für falsch und beschweren sich über die zusätzlichen Maßnahmen. Wollen Sie den Schülern dort nicht helfen, weil es nicht ins ideologische Konzept passt?

Was aber hat denn das Zentralabitur hier offengelegt? Genau die Probleme, auf die wir seit Jahren hingewiesen haben und die von SPD und Grünen immer schöngeredet wurden. Der Notendurchschnitt liegt an den Gesamtschulen bei 2,87, an den Gymnasien bei 2,59. Viel dramatischer ist der Unterschied bei den Vornoten. Hierauf werde ich später noch ausführlicher eingehen.

Erschreckend ist auch und vor allem die hohe Anzahl der durchgefallenen Schüler, die an den Oberstufen der Gesamtschulen bei über 6,7% liegt. Hinzu kommen über 40% Abbrecher im Laufe der Oberstufe, so dass fast die Hälfte der Gesamtschüler in den Oberstufen scheitert. Wir haben dort objektiv ein riesiges Problem. Das können Sie nicht doch nicht einfach so vom Tisch wischen. Gerne argumentieren Sie in diesem Zusammenhang mit der sozialen Zusammensetzung der Schülerschaft. Ich finde diese Argumentation den eigenen Schülern gegenüber nicht sehr fair. Sie sagen damit, die qualitativen Probleme seien halt da, da die Schüler eben so seien. Mit dieser Begründung könnte man qualitative Standards in schwierigen Stadtteilen dann einfach ganz außer Kraft setzen. Die Schulen sind aber für die Schüler da und nicht umgekehrt. Die Schüler an den Gesamtschuloberstufen wollen wie andere Schüler auch eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben, die mit der des Gymnasiums tatsächlich gleichwertig ist. Daher halten wir auch an dem Maßstab der Vergleichbarkeit, der für alle Schüler gelten muss, fest.

Ich möchte in diesem Zusammenhang Jens Voss von der Rheinischen Post zitieren, der sehr präzise des Pudels Kern benannt hat. Zitat:" Gerade dieser Vorgang zeigt aber, warum das Zentralabitur dennoch als sinnvoll zu verteidigen ist. Es schafft Vergleichbarkeit, die etwa Überforderung von Schülern überhaupt erst erkennbar macht. Ähnliches gilt für die Unterschiede zwischen Gymnasien und Gesamtschulen. Peinlich für die Gesamtschulen ist ja nicht, dass ihre Schüler einen etwas schlechteren Schnitt haben - das mag auf eine schwierige Schülerstruktur zurückzurühren sein. Peinlich ist, dass Gesamtschul-Lehrer ihre Schüler offenbar positiver benoten als Gymnasiallehrer - anders sind Durchfallquoten und Abweichungen von den Vornoten nicht zu erklären. Erst im Zentralabitur ist dann Schluss mit dem schönen Noten-Schein. Das ist gut so; nur so werden gute Noten wirklich gut."

Genau das ist die Kernfrage der Gerechtigkeit und der Vergleichbarkeit, die die Grünen und die SPD in der Schulpolitik immer wieder für sich reklamieren. Ich frage Sie: Wie kann es sein, dass sich an den Gesamtschuloberstufen Abweichungen nach unten von bis zu 2,9 Punkten ergeben? Wie kann es sein, dass, wenn es vergleichbare, externe Prüfungen für alle Schüler gibt, die Gesamtschulen derartig abstürzen? Das liegt nun mal an den Vornoten. Und dass Sie sich an dieser Stelle immer so reflexartig empören, zeigt doch nur, dass wir hier den Finger mitten in die Wunde legen. Gesamtschulabiturienten und Gymnasialabiturienten bewerben sich gleichermaßen um Ausbildungsplätze und Studienplätze. Und es kann und darf nicht sein, dass einigen Schülern aus ideologischen Gründen dann offensichtlich ein Vorteil verschafft wird. Dass, meine Damen und Herren, ist die Notenkosmetik, die wir Liberalen seit Jahren kritisieren! Es handelt sich hierbei nicht um eine Kritik an den Schülern, um das hier auch noch einmal deutlich zu sagen. Aber es handelt sich um die Kritik an einer viel zu lange praktizierten Ideologie. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit.


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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