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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 19.06.2008

Antrag SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 14/7015

Rede zum Zentralabitur

"Zentralabitur"

Ingrid Pieper-von Heiden
Bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion

- es gilt das gesprochene Wort -

"Es war das Konzert der schrägen Töne, das die Opposition in den letzten Wochen angestimmt hat und heute seinen dramaturgischen Höhepunkt haben sollte. Doch der Wind ist aus den Segeln.

Bei der Debatte über das Zentralabitur geht es Rot-Grün vordringlich darum, zu skandalisieren. Das Wohl unserer Schülerinnen und Schüler berührt die Opposition erst in zweiter Linie. Denn wer auf der einen Seite weinerlich seine Solidarität mit den Schülern verkündet, auf der anderen Seite aber jede Lösung von vornherein schlecht redet und Unsicherheiten schürt, kann kaum die Interessen der Schüler im Auge haben. Stattdessen hat Rot-Grün Vermutungen zu Tatsachen und Gerüchte zu Ereignissen gemacht. Aber: Sowohl der Philologenverband als auch der Realschulverband haben Behauptungen der Opposition zu den zentralen Prüfungen der Sekundarstufe I bereits als falsch zurückgewiesen.

Unbestreitbar sind beim diesjährigen Zentralabitur Probleme aufgetreten, die zum Wohle der Kinder und Jugendlichen hätten vermieden werden müssen. Gerade mit zwei Mathematikaufgaben haben einige Schüler erkennbar Schwierigkeiten gehabt. Nun gilt es, diese Probleme und die Gründe dafür gründlich zu analysieren, um die Fehlerquellen zu identifizieren und auszuräumen. Für die FDP möchte ich aber in aller Deutlichkeit noch einmal betonen, dass wir die nun gefundene Möglichkeit für die betroffenen Schüler, die Prüfung zu wiederholen, ausdrücklich begrüßen. Die Schüler dürfen nicht die Leidtragenden sein. Deshalb haben sie eine neue, eine faire Chance erhalten.

Rund 1900 Schüler haben diese Möglichkeit genutzt. Damit lag die Zahl der Schüler, die die Klausuren ein weiteres Mal geschrieben haben, insgesamt unter einem Prozent des Jahrgangs. Die Zahl der Mathematikschüler, die in Grund- und Leistungskursen noch einmal geschrieben haben, lag bei etwa 5 Prozent. Diese Zahl ist nicht dramatisch, aber jeder Schüler, der sich erneut der Prüfung gestellt hat, ist ein Schüler zuviel. Denn es reicht, einmal im Abitur zu stecken. Die FDP erwartet, dass solche Probleme künftig verhindert werden.

Der PISA-Koordinator Andreas Schleicher hat in noch in dieser Woche betont, dass die Einführung des Zentralabiturs durch derartige "Kinderkrankheiten", wie er es nennt, nicht "ins Stocken geraten dürfe". Um solche Probleme künftig auszuschließen, bedarf es daher einer gründlichen Analyse.

Uns liegt inzwischen Datenmaterial aus einer Stichprobe vor, das erste Schlüsse zulässt. Danach haben offensichtlich nicht alle Schüler an allen Schulformen mit den Aufgaben Probleme gehabt. Die vorliegende Stichprobe macht deutlich, dass es an einer nicht unbeträchtlichen Anzahl von Gymnasialkursen auch erkennbare Verbesserungen gegeben hat. Dort sind nach der Stichprobe zirka 4 bis 5 Prozent der Schüler betroffen. An den Gesamtschulen sind es 10 Prozent. Und es ist nicht unredlich, wenn nachgefragt wird, woran diese Probleme gelegen haben. Unredlich ist dagegen, dass die SPD behauptet, die Lehrerinnen und Lehrer sollten verantwortlich gemacht werden. Das entspricht nicht der Wahrheit. Das ist schlichtweg falsch. Denn niemand hat Lehrer pauschal verantwortlich gemacht. Zudem hat die große Mehrheit der Lehrkräfte nachweislich sehr gute Arbeit geleistet, sonst gäbe es nicht so viele deutliche Verbesserungen bei den Klausuren. Wenn aber SPD und Grüne bereits Zeter und Mordio schreien, sobald man auf die Obligatorik verweist, ist das mehr als durchschaubar. Es zeigt deutlich, dass es der Opposition um Skandalisierung geht.

Wer aber für die Schüler die bestmöglichen Rahmenbedingungen schaffen will, der muss auch auf die Obligatorik verweisen. Wenn Themen in Prüfungen vorkommen, die als Pflichtbestandteil durchgenommen worden sein mussten, dann muss es auch erlaubt sein, darauf hinzuweisen. Die Schüler des nächsten Abiturjahrgangs müssen die Sicherheit haben, dass die obligatorischen Voraussetzungen gelehrt worden sind. Dies kann aber nur dezentral gesichert werden. Das ist keine umfassende Kritik, sondern eine Feststellung, um zukünftig solche Probleme auszuschließen.

Der zweite wichtige Punkt ist ebenfalls ein Ergebnis der Stichprobe. Offensichtlich hat es in den Oberstufen der Gesamtschulen deutlich größere Probleme mit dem inhaltlichen Stoff gegeben, als dies an den Gymnasien der Fall war. Dies muss analysiert werden. Warum sind an den Gesamtschulen viele Schüler im Vergleich zu den Vornoten abgesackt? Die Frage stellen sich auch zahlreiche Schuldirektoren. Im Juli wird die Gesamtauswertung der Daten vorliegen, dann werden wir über eine gesicherte Datenbasis verfügen und nicht nur über Annährungsdaten. Und dann werden wir - zum Wohle der Schüler, denn um die geht es hier - analysieren und Rückschlüsse ziehen, damit das Zentralabitur beim nächsten Durchgang ohne Abstriche ein umfassender Erfolg wird."


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

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