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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Reden

Rede vom 07.12.2007

Antrag 14/5531

Rede Schulstrukturdebatte

Ingrid Pieper-von Heiden (FDP): Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! FDP und CDU bringen heute diesen Antrag ein, da wir davon überzeugt sind, dass die rot-grüne Einheitsschuldebatte endlich vom Tisch gefegt werden muss. Im Gleichschritt bringen Sie kein einziges Kind auf die Erfolgsspur. Es ist endlich aufzuräumen mit der Mär, integrierte Schulsysteme seien besser als gegliederte.

(Beifall von der FDP)

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg dafür.

(Zurufe von der SPD)

Das gebetsmühlenartige Wiederholen ideologischer Standpunkte durch Rot-Grün kostet nicht nur wertvolle Zeit; es führt bei Lehrern, Schülern und Eltern zu großer Verunsicherung und bringt vor allem die Qualität unserer Schulen kein Stück voran. Aber nur darum geht es.

Um Rücksicht auf die unterschiedlichen Potentiale unserer Kinder zu nehmen, brauchen wir

(Zuruf von Sylvia Löhrmann [GRÜNE])

nicht weniger, sondern mehr Differenzierung auf unterschiedlichen Leistungsebenen. Die schwarz-gelbe Landesregierung hat nach der Abwahl von Rot-Grün die Bildungspolitik zu einem zentralen Arbeitsfeld gemacht, um allen Kindern und Jugendlichen unseres Landes wieder bestmögliche Bildungschancen und Zukunftsperspektiven durch die qualitative Weiterentwicklung des gegliederten, begabungsgerechten Schulsystems zu verschaffen.

(Beifall von der FDP)

Nun ist Nordrhein-Westfalen auf einem sehr guten Wege, ganz pragmatisch alle Innovationen umzusetzen. Innerhalb von zweieinhalb Jahren sind mit großer Sorgfalt und hohem Tempo im nordrhein-westfälischen Schulsystem Veränderungen vollzogen worden, auf die wir stolz sein können.

Hervorzuheben sind die Novellierung des Schulgesetzes mit der individuellen Förderung im Mittelpunkt, zusätzliche Förderstunden, die hohe Zahl zusätzlicher Lehrerinnen und Lehrer, die sich bis zu diesem Zeitpunkt auf über 5.000 beläuft, sowie die Reduzierung des Unterrichtsausfalls um fast die Hälfte, nicht zu vergessen, die bereits 2005 gestartete Qualitätsoffensive „Hauptschule“, mit der dieser Schulform, die unter Rot-Grün sträflich vernachlässigt wurde,

(Sören Link [SPD]: Glauben Sie wirklich, was Sie da erzählen, Frau Pieper-von Heiden?)

endlich wieder realistische Erfolgsperspektiven und ihren Schülern neuen Chancen eröffnet werden.

(Beifall von FDP und CDU)

Mit der Einführung der vorschulischen Sprachförderung, mit der NRW bundesweit Vorreiter ist, sowie dem qualitativen und quantitativen Ausbau des Ganztags liegen wir ebenfalls goldrichtig. Es wird insbesondere auf diese Weise gelingen, die der früheren rot-grünen Regierung attestierte Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund sukzessive aufzuheben.

(Sigrid Beer [GRÜNE]: Alle in die Hauptschule!)

Jedes Kind, das in die Schule kommt, muss über gute Deutschkenntnisse verfügen, um nicht nur durch blanke Anwesenheit am Unterricht teilnehmen zu können.

Nun geht die Schere der Entwicklung und Leistung mit zunehmendem Alter der Kinder weiter auseinander. Beträgt der Vorsprung mancher Kinder gegenüber anderen in ihrer Entwicklung im Kleinkindalter nur wenige Wochen oder Monate, so kann er mit zunehmendem Kindesalter bis zu mehreren Jahren aufwachsen. Insofern sollte man sich davor hüten, den Schluss zu ziehen, Ergebnisse verbesserten sich bei längeren gemeinsamen Lernzeiten.

Es gibt kein sinnvolles fachliches Argument für längeres gemeinsames Lernen – im Gegenteil.

(Sylvia Löhrmann [GRÜNE]: Nur macht man es überall in der Welt so!)

Die Berliner ELEMENT-Studie zeigt, dass Kinder, die nach vier Jahren Grundschulbesuch auf ein Gymnasium wechseln, am Ende der fünften Klasse deutlich bessere Ergebnisse erzielen als die Kinder, die weiterhin gemeinsam bis zum Ende der Klasse sechs unterrichtet werden und erst dann ein Gymnasium besuchen.

Auch die aktuellen Ergebnisse der PISA-Studie zeigen, dass mehr Qualität im System und nicht die Frage der Struktur entscheidend ist.

(Zuruf von Ralf Jäger [SPD])

Meilensteine sind einheitliche Bildungsstandards, die Einführung landesweiter Vergleichstests und zentrale Abschlussprüfungen. Selbstverständlich steht im Mittelpunkt immer die qualitative Verbesserung des Unterrichts, die individuelle Förderung.

Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage lehnen übrigens 62 % der SPD-Wähler und 55 % der Linken-Wähler die Einführung eines Einheitsschulsystems ab.

(Beifall von der FDP – Sylvia Löhrmann [GRÜNE]: Ich lehne das auch ab!)

– Hört, hört! Es ist so. Ich habe die Zahlen nicht erfunden. Für den Erhalt des Gymnasiums treten 88 % der SPD-Wähler und 85 % der Linken-Wähler ein. Dieses Umfrageergebnis sollte sich die Opposition einmal sehr gründlich anschauen.

(Zuruf von Hannelore Kraft [SPD])

Es ist eindeutig und ein weiterer Grund, die Idee der Einheitsschule einzustampfen und sich stattdessen zum Wohle unserer Kinder an der qualitativen Verbesserung des Unterrichts im Zentrum individueller Förderung im gegliederten begabungsgerechten Schulsystem zu beteiligen. – Danke für Ihre Aufmerksamkeit.


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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

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