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Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Pressemitteilungen

Pressemitteilungen vom 14.06.2007:

Jungen fördern - ohne Mädchen zu benachteiligen

Redeauszug zur Debatte - es gilt das gesprochene Wort -

"Nachdem sich die Gleichstellungsdebatte jahrzehntelang um Frauen und Mädchen gedreht hat, rücken nun die Jungen als benachteiligtes Geschlecht in den Vordergrund. Solche Entwicklungen nehmen überall dort ihren Verlauf, wo man über lange Zeit einseitig eine Sache überbetont hat. Den Erkenntnissen verschiedener Studien zufolge sind Jungen überdurchschnittlich häufig unter den so genannten Bildungsverlierern vertreten. Jungen machen inzwischen nur 45 Prozent aller Gymnasiasten und Abiturienten aus. Sie sind an den Hauptschulen überrepräsentiert und an den Förderschulen mit Zweidrittel-Mehrheit vertreten. Unter den Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwäche gehören sogar 80 Prozent dem vermeintlich "starken Geschlecht" an.
Kann es in unserem Interesse liegen, dass aus unseren Mädchen - in der aktuellen Ausgabe eines bekannten Nachrichtenmagazins werden sie als "Alpha-Mädchen" bezeichnet - starke Frauen werden und aus unseren Jungs Loser, arme Kerle, die das Nachsehen haben? Wir meinen nein! Einer Entwicklung, die Jungen tendenziell zu Bildungsverlierern macht, muss entgegengesteuert werden. Jungen müssen gefördert werden, und Mädchen dürfen dabei wiederum nicht benachteiligt werden.
Jeder Junge und jedes Mädchen hat einen Anspruch darauf, mit seinen ganz eigenen Stärken, Schwächen und Nöten wahr und ernst genommen zu werden. Die von uns im Schulgesetz verankerte individuelle Förderung bietet eine hervorragende Basis, um die Umsetzung dieses Anliegens in der Schule zu verbessern. Mit unsrem Antrag beauftragen wird die Landesregierung, ein Maßnahmenbündel zur individuellen und gezielten Förderung in der Grundschule sowie in den weiterführenden Schulen zu entwickeln, das Jungen und Mädchen unter Berücksichtigung ihres individuellen Potenzials stärker differenziert fördert.

Zum Beispiel sollten die Unterschiede der Lernbedingungen und Lernwege einer Mehrheit von Mädchen und Jungen in den Förderkonzepten, etwa beim Lesen beziehungsweise in den Naturwissenschaften berücksichtigt werden. Aber es gilt dabei zu beachten, dass es eine ordentliche Anzahl von Jungen und Mädchen gibt, die genau in jenen Bereichen über herausragende Begabungen und Fähigkeiten verfügen, die man in der Mehrzahl dem jeweils anderen Geschlecht zuordnet. Sie wären mit einer geschlechtsspezifischen pädagogischen Ansprache nicht zu erreichen. Deshalb darf die Diskussion, die wir hier führen, keinesfalls allein auf das Geschlecht abgestellt werden.
In der Tat sollte die Jugendhilfe stärker auf die Jungenförderung ausgerichtet und auch Sportangebote in und außerhalb der Schule angepasst werden. Jungen müssen wieder raufen dürfen - kontrolliert und fair, aber körperlich austoben müssen sie sich eben in der Regel stärker als Mädchen. Das Ziel einer gelingenden individuellen Förderung wird durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Lernweisen und Motivation jedes einzelnen Schülers und jeder Schülerin erreicht, die mit dem jeweiligen individuellen Lernvermögen zusammenhängen. Die Anforderungen müssen - unabhängig vom Geschlecht - passgenau sein."
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Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

Weiterbildung