www.fdp.de
Logo

Ingrid Pieper-von Heiden

für OWL im Landtag

Gleiche Chancen für alle Schulen – Faire Ressourcenzuteilung, bestmögliche schulische Förderbedingungen und Entscheidungsfreiheit für Schüler, Eltern und Lehrer an allen Schulformen

Gleiche Chancen für alle Schulen – Faire Ressourcenzuteilung, bestmögliche schulische Förderbedingungen und Entscheidungsfreiheit für Schüler, Eltern und Lehrer an allen Schulformen

I. Ausgangslage:

Nach jahrzehntelangen gesellschaftspolitischen Debatten um die richtige Schulstruktur ist ein umfassender Schulfrieden unter Wahrung hoher Bildungsqualität ein zentraler Wunsch vieler Menschen in Nordrhein-Westfalen und in der gesamten Bundesrepublik. Die Mehrheit der Schüler, Eltern und Lehrer erwartet eine Konzentration auf die innere Stärkung von Schulen. Sie erhoffen sich eine Entwicklung zu kleineren Klassen, eine angemessene Sachausstattung, eine bedarfsgerechte Fortsetzung des Ganztagsausbaus, eine verbesserte Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer und die flächendeckende Umsetzung der individuellen Förderung. Viele Betroffene erwarten, dass – unabhängig von der jeweiligen Schulform – gleichberechtigt bestmögliche qualitative Bedingungen vorzufinden sind, um als Schüler zu lernen, als Lehrer zu unterrichten und als Eltern zu erleben, dass ihre Kinder individuell, umfassend und erfolgreich auf ihr weiteres Leben vorbereitet werden.

Der demographische Wandel stellt auch die Kommunen als Schulträger vor große Herausforderungen. Rückläufige Schülerzahlen bedeuten insbesondere im ländlichen Raum für den Bestand vieler Schulen eine existentielle Bedrohung. Schulen stellen für Städte und Gemeinden einen unverzichtbaren Ort der Identifikation und ein Element gesellschaftlicher Bindung dar. Kommunen, die nicht über wohnortnahe Schulangebote verfügen, sind für viele Menschen, gerade auch für junge Familien unattraktiv. Städte und Gemeinden ohne ein wohnortnahes Schulangebot verfügen in den Augen vieler Bürger über mangelnde Zukunftsperspektiven. Daher sind auch die kommunalen Anstrengungen zur Sicherung qualitativ hochwertiger wohnortnaher Schulangebote nachdrücklich zu begrüßen. Der Landtag Nordrhein-Westfalen teilt das Ziel eines gesamtgesellschaftlichen Schulfriedens bei hoher Bildungsqualität. Ein solcher Schulfrieden und die Konzentration auf die innere Stärkung der Schulen können jedoch nur dann langfristig tragen, wenn er die Qualität schulischer Bildung sichert und allen Beteiligten langfristige und faire Perspektiven eröffnet.

Am 19. Juli 2011 haben CDU, SPD und Grüne einen Schulkonsens vorgestellt, der vermeintlich für den Zeitraum von zwölf Jahren jahrzehntelange Debatten um die Ausgestaltung der nordrhein-westfälischen Schulstruktur beenden soll. Den inhaltlichen Kern des Schulkonsenses stellen mit der Sekundarschule eine neue Schulform, eine Gesamtschulgründungsoffensive sowie die Ausweitung integrierten Unterrichts dar. Die bisherigen Planungen weisen dabei eine Ungleichgewichtung zugunsten integrierter Schulformen auf, die zu einer Benachteiligung der übergroßen Mehrheit der Schüler, Eltern und Lehrer an den Realschulen, Hauptschulen und Gymnasien führt. Um aber einen langfristigen Schulfrieden zu sichern, müssen alle Schulformen bei der Ressourcenzuteilung gleichberechtigt und fair Berücksichtigung finden. Eine Privilegierung einzelner Schulformen ist mit dem Ziel eines umfassenden Schulfriedens nicht vereinbar. Wer Frieden will, darf keinen Unfrieden säen.
Die Sicherung oder Ausweitung eines örtlichen Schulangebots darf keinen Prozess herbeiführen, der in umliegenden Kommunen bestehende und von den Eltern gewünschte Schulen der unterschiedlichen Schulformen beschädigt oder gar zerstört. Auch in Zukunft müssen sich alle Regionen Nordrhein-Westfalens durch eine vielfältige Schullandschaft auszeichnen, die dem Willen der Menschen und den unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten der Kinder und Jugendlichen gerecht wird. Im Zentrum jedweder schulischer Entwicklung müssen daher die Wünsche der Bevölkerung und die Qualität der Bildung stehen. Kinder dürfen nicht mit Leistungsanforderungen konfrontiert werden, die sie überfordern; und leistungsstärkere Kinder haben ebenfalls ein Recht, ihre Talente umfassend entfalten zu können und dabei individuell gefördert und gefordert zu werden. Eine Verpflichtung zu einem integrierten Unterricht darf es daher nicht geben. Den Schülern, Eltern und Lehrern muss zuallererst die Entscheidung darüber zustehen, welche Leistungsanforderungen sie erfüllen können.

Um einen wirklich tragfähigen Schulkonsens für Nordrhein-Westfalen zu erreichen, müssen die bisherigen Planungen qualitativ überarbeitet werden. Das gilt insbesondere für die Sicherung einer fairen Ressourcenzuteilung, bestmöglicher Förderbedingungen und der Entscheidungsfreiheit für Schüler, Eltern und Lehrer an allen Schulformen. Daher bedarf der vorliegende Gesetzentwurf von CDU, SPD und Grünen im Interesse aller Schüler, Eltern, Lehrer und Schulträger an entscheidenden Punkten positiver Veränderungen:

1. Klassengrößen an allen Schulformen ohne Bevorzugung einzelner Schulen senken
Die im Gesetzentwurf verankerten Leitlinien sehen eine unverzügliche Festsetzung des Klassenfrequenzrichtwerts auf 25 Schülerinnen und Schülern in neu zu gründenden Sekundarschulen vor. Eine solche Ressourcenausstattung entspricht jedoch nicht denen der anderen Schulformen der Sekundarstufe I. Zukünftig werden die einzelnen Schulformen nicht durch pädagogische Konzepte und die beste individuelle Förderung im positiven Sinne miteinander um Schüler konkurrieren können, sondern die ungleiche Ressourcenausstattung wird die Entscheidungsfindung der Eltern einseitig zulasten der Pluralität der Schulformen beeinflussen. Zwar verdeutlichen die in dem Gesetzentwurf niedergelegten Leitlinien, dass CDU, SPD und Grüne auch schrittweise eine Absenkung der Klassengrößen an Gymnasien, Gesamtschulen und Realschulen auf einen Klassenfrequenzrichtwert von 26 Schülern sowie an Grundschulen auf einen Wert von 22,5 Schülern anstreben. Diese Ankündigungen stehen jedoch unter einem Finanzierungsvorbehalt und werden zeitlich nicht näher konkretisiert.Dies verdeutlichen die Ausführungen des Gesetzentwurfs, wonach die Klassenfrequenzrichtwerte in der jährlich anzupassenden Verordnung zur Ausführung des § 93 Absatz 2 Schulgesetz nur Schritt für Schritt nach Maßgabe des Haushaltsgesetzgebers umgesetzt werden sollen. Während somit die Absenkung der Klassengrößen an Sekundarschulen laut vorliegendem Gesetzentwurf bereits mit der Gründung erfolgen soll, werden die anderen Schulformen deutlich benachteiligt. Um eine Chancengerechtigkeit für alle Schüler an den unterschiedlichen weiterführenden Schulen zu ermöglichen, müssen in den kommenden Jahren die Klassenfrequenzrichtwerte an den Sekundarschulen, den Gymnasien, den Gesamtschulen und den Realschulen gleichberechtigt unter Maßgabe des Haushaltsgesetzgebers sukzessive auf einen Klassenfrequenzrichtwert von 25 abgesenkt werden. Die Finanzierung dieser Klassenverkleinerung erfolgt aus den personellen Mitteln, die aus rückläufigen Schülerzahlen gewonnen werden.

2. Bedarfsgerechter und gleichberechtigter Ganztagsausbau an allen Schulformen
Der Begründungstext des Gesetzentwurfs verdeutlicht, dass die Sekundarschulen als Ganztagsschulen geführt werden sollen. Bei begrenzten finanziellen Ressourcen des Landes bedeutet dieser automatische Ganztag eine weitere Bevorzugung der Sekundarschulen gegenüber den anderen Schulformen der Sekundarstufe I. Gleichzeitig würde für Eltern, die sich ein Halbtagsangebot dieser Schulform wünschen, ein solches Angebot grundsätzlich nicht ermöglicht. Um eine Gleichbehandlung aller Schulformen zu erreichen, müssen zukünftig alle Schulformen der Sekundarstufe I von einem weiteren bedarfsgerechten Ausbau der Ganztagsangebote profitieren. Hierbei darf keine Schulform privilegiert werden. Daher ist auf eine Festlegung zu verzichten, wonach die Sekundarschulen automatisch Ganztagsschulen sind. An allen Schulformen der Sekundarstufe I ist in den kommenden Jahren das Ganztagsangebot kontinuierlich und ohne die Benachteiligung einzelner Schulformen auszubauen. Der vorliegende Gesetzentwurf sieht in den Leitlinien mittelfristig vor, alle Schulen zu Ganztagsschulen weiterzuentwickeln. Eltern müssen jedoch auch zukünftig Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Einen Zwang zum allgemeinverbindlichen Ganztag darf es nicht geben. Gleichzeitig sollte jedoch der Ausbau der Ganztagsangebote an allen Schulformen bedarfsgerecht fortgesetzt werden. Hierbei müssen die Möglichkeiten eines flexiblen Ganztagsausbaus an einzelnen Schulen verbessert werden, so dass zukünftig zum Beispiel an einer vierzügigen Schule auch zwei Züge im Halbtag und zwei Züge im Ganztag angeboten werden können. Um diese Bedarfsgerechtigkeit zu gewährleisten, wird auf einen Ausbau aller Schulen zu Ganztagsschulen verzichtet und Eltern auch zukünftig in zumutbarerer Entfernung das Vorhalten eines Halbtagsangebots der Bildungsgänge der unterschiedlichen Schulformen des gegliederten Schulwesens garantiert.

3. Keine Bevorzugung einzelner Schulformen bei der Errichtung gegenüber der Fortführung bestehender Schulen
Die Errichtungsgröße für die Sekundarschule und die Gesamtschule soll nach dem Willen des schwarz-rot-grünen Gesetzentwurfes bevorzugt abgesenkt werden. Lediglich an diesen beiden integrierten Schulformen wird die Größe bei einer Errichtung auf 25 Schülerinnen und Schüler pro Klasse festgesetzt. Hierbei soll diese Regelung sowohl für die vollständige Neuerrichtung als auch für die Errichtung einer Schule durch die Zusammenlegung bestehender Schulen gelten. Für andere bereits bestehende Schulen ist vorgesehen, die Errichtungsgröße bei 28 Schülern pro Klasse zu belassen. Damit sind laut vorliegendem Gesetzentwurf bestehende Schulen des gegliederten Systems gegenüber den neuen integrierten Schulen deutlich im Nachteil. Eine Gründungsentscheidung in den Kommunen wird durch erleichterte Bedingungen für Sekundarschulen und Gesamtschulen spürbar beeinflusst werden. Auch werden die bevorzugenden Gründungsbedingungen für Gesamtschulen bei unzureichenden kommunalen Absprachen eine massive Ausweitung von Oberstufen nach sich ziehen. Aus bestehenden gymnasialen Oberstufen an Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs werden Schüler abgezogen und damit bislang funktionierende sowie erfolgreich arbeitende Oberstufen in ihrer Existenz bedroht. Um gleiche Chancen für alle Schulformen sicherzustellen, darf die Errichtungsgröße neuer Schulen nicht kleiner sein als die Anforderungen zur Fortführung bereits bestehender Schulen.

4. Chancengerechtigkeit bei horizontalen und vertikalen Teilstandortbildungen
Den Sekundarschulen soll gemäß des Gesetzentwurfs als einziger Schulform der Sekundarstufe I eine umfassende Bildung von Standorten mit den so bezeichneten vertikalen und horizontalen Gliederungen ermöglicht werden. Bei einer horizontalen Gliederung können an einem Schulstandort die 5. und 6. Klassen, an einem weiteren Schulstandort die 7. bis 10. Klassen einer organisatorisch gemeinsamen Schule besucht werden. Bei vertikalen Lösungen können an mehreren Standorten jeweils die Jahrgänge 5 bis 10 vorhanden sein. Derartige Standortlösungen, die keinen erhöhten Lehrerstellenbedarf nach sich ziehen dürfen, können zum Beispiel im Rahmen der Zusammenarbeit unterschiedlicher Schulträger von großer Bedeutung sein. Daher führt eine ausschließliche Ermöglichung solcher vertikaler und horizontaler Standortbildungen zu einer deutlichen Schlechterstellung anderer Schulformen. Um eine Gleichbehandlung der Schulformen zu ermöglichen und den Schulträgern passgenaue Gestaltungsmöglichkeiten entsprechend der örtlichen und regionalen Anforderungen zu eröffnen, müssen daher neben Sekundarschulen auch den Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie den Gymnasien entsprechende horizontale und vertikale Gliederungsmöglichkeiten eingeräumt werden.

5. Keine Konflikte in die Kommunen tragen
Städte und Gemeinden werden auch zukünftig ihrem berechtigten Interesse folgen, vor Ort ein möglichst umfassendes und vielfältiges Schulangebot zu sichern. Jedoch hat bereits der sogenannte Schulversuch zur Einführung von Gemeinschaftsschulen verdeutlicht, dass die Sicherung oder gar Ausweitung eines Schulangebots einer Kommune einen Verdrängungseffekt in anderen Kommunen auslösen kann. Privilegierte Bedingungen bei der Gründung von Gemeinschaftsschulen haben bereits zu massiven Auseinandersetzungen zwischen einzelnen Kommunen geführt. Um sicherzustellen, dass durch erleichterte Errichtungsbestimmungen und eine bevorzugte Ressourcenausstattung der beiden integrierten Schulformen kein Verdrängungseffekt von demographisch stabilen und von den Eltern gewünschten Realschulen und Gymnasien eintritt, müssen allen Schulformen der Sekundarstufe I personell und strukturell gleichberechtigte Chancen ermöglicht werden. Darüber hinaus sind in Anbetracht rückläufiger Schülerzahlen Konflikte zwischen den nordrhein-westfälischen Kommunen zu verhindern. Das Modell des Städte- und Gemeindebundes zur Findung eines regionalen Konsenses durch Einführung eines fakultativen Moderationsverfahrens kann sinnvoll sein, wenn es Konflikten zwischen Kommunen frühzeitig entgegenwirken kann. Die nunmehr gefundene Regelung muss unter Betrachtung der demographischen Entwicklung und den hiermit verbundenen Folgewirkungen auf bestehende Schulangebote jedoch präzisiert werden. Demnach ist eine Genehmigung nicht zu erteilen, wenn eine Abstimmung der benachbarten Schulträger im Moderationsverfahren nicht gelingt und die nicht planungstragende Kommune begründete Einwendungen gegen das Vorhaben des planungstragenden Schulträgers erhoben hat.

6. Gleichberechtigte Absenkung der wöchentlichen Unterrichtsverpflichtung für Lehrer
Im Begründungsteil des Gesetzesentwurfs ist festgelegt, dass die Unterrichtsverpflichtung der Lehrerinnen und Lehrer an Sekundarschulen auf 25,5 Stunden in der Woche gesenkt wird. An Realschulen und Hauptschulen soll zugleich die Unterrichtsverpflichtung jedoch bei 28 Lehrerwochenstunden bestehen bleiben. Es handelt sich somit um eine deutliche Mehrbelastung der Pädagogen an den Haupt- und Realschulen, die jede Woche 2,5 Unterrichtsstunden zuzüglich der Vor- und Nachbereitungszeiten mehr erteilen müssen. Diese Bevorzugung einer Unterrichtung an Sekundarschulen wird noch durch den Umstand unterstrichen, dass die Sekundarschulen überwiegend aus Hauptschulen und Realschulen entstehen werden. Um eine Gleichbehandlung der Lehrerinnen und Lehrer an den inhaltlich ähnlichen Schulformen Sekundarschule, Realschule und Hauptschule zu gewährleisten, sollte im Rahmen einer großen Dienstrechtsreform eine Umgestaltung vorgenommen werden, die es ermöglicht, die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung sukzessive und in gleichen Schritten für Lehrer an Grundschulen, Förderschulen, Sekundarschulen, Hauptschulen und Realschulen abzusenken.

7. Individuelle Förderung statt Unter- und Überforderung von Kindern und Jugendlichen
Das Konzept der Sekundarschule sieht laut zugrundeliegendem Gesetzentwurf in den 5. und 6. Klassen einen verbindlichen integrierten Unterricht vor. Erst ab der 7. Klasse entscheiden letztlich die Schulträger über einen integrierten Unterricht bis zur 10. Klasse, einen teilintegrierten oder aber einen am individuellen Leistungsvermögen orientierten differenzierten Unterricht nach Bildungsgängen. Grundsätzlich müssen laut Gesetzentwurf in allen organisatorischen Formen der Sekundarschule darüber hinaus gymnasiale Standards vorhanden sein. Diese Pflicht zu integriertem Unterricht und einem gymnasialen Unterrichtsangebot ist in allen Organisationsformen der Sekundarschule vorgegeben und soll sogar gelten, wenn eine Sekundarschule aus Haupt- und / oder Realschulen heraus gegründet wird. Leistungsschwächere Schüler werden obligatorisch mit gymnasialen Standards konfrontiert und damit zum Teil erheblich überfordert. Leistungsstarken Schülern wird hingegen eine gymnasiale Bildung suggeriert, die jedoch einer umfassenden gymnasialen Ausbildung an einem Gymnasium nicht entsprechen kann. Zudem steht für einen flächendeckenden integrierten Unterricht in Sekundarschulen kein dafür hinreichend ausgebildetes Lehrpersonal zur Verfügung. Um leistungsschwächere Kinder und Jugendliche nicht zu überfordern, darf es jedoch keinen Zwang zu gymnasialen Standards an Sekundarschulen geben. Statt dessen sollen für leistungsstärkere Schüler zusätzliche Angebote unterbreitet werden, die den späteren Wechsel zum Gymnasium oder den Übergang zur gymnasialen Oberstufe erleichtern. Der Unterricht an Sekundarschulen muss schulformbezogen erteilt werden. Schulen sollen selbst bestimmen, ob und in welchem Umfang Elemente integrierter Unterrichtsformen die differenzierten Bildungsgänge ergänzen.

8. Keine pädagogische Ausgestaltung gegen den Willen der Betroffenen an den Schulen
Die Gremien der Akteure an den Schulen müssen zuallererst die Entscheidungen über die Ausgestaltung der pädagogischen Arbeit fällen. Der Gesetzentwurf sieht aber vor, dass die Schulkonferenzen der Schulen lediglich anzuhören sind. Die Entscheidungen über die integrierte, teilintegrierte oder die kooperative Unterrichtung nach Bildungsgängen wird durchdie Schulträger getroffen, also überwiegend durch die Räte. So besteht die Gefahr, dass die organisatorische Ausgestaltung der Schulen nicht nach pädagogischen Kriterien, sondern aufgrund politischer Einstellungen getroffen wird. Schule kann jedoch nicht gegen den Willen der Schüler, Eltern und Lehrer gestaltet werden und erfolgreich sein. Daher muss sichergestellt werden, dass die Schulkonferenz als Vertretung der Schüler, Eltern und Lehrer über das pädagogische Konzept der Sekundarschule entscheidet und die Schule anschließend das Einvernehmen mit dem Schulträger herstellt.

9. Kein Einstieg in die Einheitsschule von Klasse 1 bis 10
Ab dem Schuljahr 2013/2014 soll nach dem Gesetzentwurf zunächst für einen Zeitraum von zehn Schuljahren sowie anschließend jahrgangsstufenweise auslaufend ein neuer Schulversuch ermöglicht werden. Hierbei ist vorgesehen, bis zu 15 Schulen der Sekundarstufe I mit Grundschulen zusammenzuschließen. Durch einen solchen Schulversuch besteht nicht nur die Gefahr, dass für Kinder übergroße, anonyme Schuleinheiten geschaffen werden, die sowohl den altersgerechten als auch den individuellen Bedürfnissen der Kinder widersprechen. Ein solcher Schulversuch veranschaulicht darüber hinaus, dass die Landesregierung nach wie vor eine Weiterentwicklung des nordrhein-westfälischen Schulsystems in Richtung eines allumfassenden integrierten Systems anstrebt. Dies wird durch die schulgesetzliche Verankerung verdeutlicht, die einen Schulversuch im Rahmen des bestehenden § 25 SchulG für eine Schule von Klasse 1 bis 10 vorsieht. Auf diesen Schulversuch, der Grundschulen mit Sekundarschulen zusammenschließen soll, muss unbedingt verzichtet werden.

10. Für ein grundsätzliches Wahlrecht des sonderpädagogischen Förderorts
Die integrierte Unterrichtung behinderter und nicht behinderter Kinder ist weiter auszubauen. Um Eltern ein grundsätzliches und gleichberechtigtes Wahlrecht des sonderpädagogischen Förderortes einzuräumen, müssen flächendeckend Angebote an Förderschulen sowie für einen gemeinsamen Unterricht vorhanden sein. Daher darf das Angebot an Förderschulen nicht ausgedünnt werden. Auch werden feste Quotenvorgaben für den gemeinsamen Unterricht nicht den Wünschen der betroffenen Schüler und ihrer Eltern gerecht. Die Entscheidung über den bestmöglichen sonderpädagogischen Förderort muss daher stets nach den individuellen Bedürfnissen im Interesse des behinderten Kindes getroffen werden und nicht nach bürokratischen politischen Zielvorgaben.

II. Handlungsnotwendigkeiten:
Der Landtag Nordrhein-Westfalen verständigt sich auf folgende Leitlinien für das zukünftige Bildungsangebot:

1. Ein Schulkonsens muss die Interessen von Schülern, Eltern und Lehrern gleichermaßen wahren.

2. Alle weiterführenden Schulen müssen bei der Ressourcenzuteilung gleichberechtigt behandelt werden. Einzelne Schulformen dürfen nicht bevorzugt werden.

3. Eine sachbezogene Schulpolitik muss sich zuallererst an den Bedürfnissen der Betroffenen und objektiven qualitativen Anforderungen orientieren.

III. Beschlussfassung:

Der Landtag Nordrhein-Westfalen beschließt:

1. In den kommenden Jahren werden an den weiterführenden Schulformen Sekundarschule, Realschule, Gesamtschule und Gymnasium die Klassenfrequenzrichtwerte schrittweise auf 25 Schülerinnen und Schüler abgesenkt und die Klassen somit gleichberechtigt verkleinert.

2. Der Ganztagsausbau wird gleichberechtigt an allen Schulformen bedarfsgerecht fortgesetzt, in der Ausgestaltung flexibilisiert und auch zukünftig ein Elternwahlrecht gesichert.

3. Horizontale und vertikale Standortbildungen werden gleichberechtigt für Sekundarschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien ermöglicht.

4. Eine Genehmigung zur Errichtung einer Sekundarschule kann nicht erteilt werden, wenn eine Abstimmung der benachbarten Schulträger im Moderationsverfahren nicht gelingt und die nicht planungstragende Kommune begründete Einwendungen erhoben hat.

5. Die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung wird sukzessive und in gleichen Schritten für Lehrer an Grundschulen, Förderschulen, Sekundarschulen, Hauptschulen und Realschulen abgesenkt.

6. Der Unterricht an Sekundarschulen wird ab der 5. Klasse schulformbezogen, orientiert am Haupt- und Realschulbildungsgang, erteilt. Verbindliche gymnasiale Standards bestehen an Sekundarschulen nicht. Zur Förderung leistungsstarker Schüler werden zusätzliche Angebote ermöglicht. Schulen bestimmen selbst, ob und in welchem Umfang Elemente integrierter Unterrichtsformen die differenzierten Bildungsgänge ergänzen.

7. Die Entscheidung über die pädagogische Ausgestaltung der Sekundarschulen trifft zunächst die Schulkonferenz, also die Schüler, Eltern und Lehrer. Anschließend muss das Einvernehmen mit dem Schulträger hergestellt werden.

Dr. Gerhard Papke
Ralf Witzel
Ingrid Pieper-von Heiden
und Fraktion


Druckversion Druckversion 

Ingrid Pieper-von Heiden


im Plenarsaal des Landtages

Im Gespräch


Ingrid Pieper-von Heiden, Wolfgang Gerhardt

Weiterbildung